Der Wert von Gefühlen für unsere Beziehungsgestaltung

Teil 4 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

Herzlich willkommen zum vierten Teil meiner Blogserie! Es soll heute um die zweite Komponente des 4-Schritte Modells der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg gehen: Die Ebene der Gefühle. Ich muss zugeben, dass mir dieses Thema ein wenig Unbehagen bereitet. Gefühle zu besprechen eröffnet ein „weites Feld“ und die Gefahr, sich darin zu verzetteln ist groß.

Ich möchte gerne Klarheit über die Bedeutung der Gefühle in unseren Beziehungen schaffen, ohne dich als Leser zu verunsichern oder die allgemeine Angst, die mit diesem Thema einher geht noch zu verstärken.

Vielleicht ist es sinnvoll, damit zu beginnen, welche Funktion unsere Gefühle haben: Sie sind einfach gesagt, die Signallampen für unsere Bedürfnisse. Sie vermitteln uns, ob unsere Bedürfnisse befriedigt sind (Zufriedenheit, Wohlsein, positive Gefühle) oder ob wir etwas brauchen (Unbehagen, Unwohlsein, negative Gefühle).

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von Gedanken, die unser (Familien)Leben erschweren

Teil 3 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

„Willst du recht haben oder glücklich sein? Beides geht nicht.“ Marshall B. Rosenberg

Mit diesem Zitat möchte ich gern den dritten Teil meiner Blogserie einleiten. In diesem Artikel wird es ein bisschen technisch, weil ich ab jetzt nahe am 4-Schritte-Modell der Gewaltfreien Kommunikation argumentieren werde. Ich begebe mich heute in den ersten Bereich des Modells: Die gedankliche Ebene, die sozusagen auch der Ausgangspunkt für eine gewaltfreie Kommunikation ist.

Als ich mich auf den Weg der Gewaltfreien Kommunikation begab, stellte ich sehr schnell fest, dass meine Art zu denken ein grundlegendes Hindernis in meiner Kommunikation und Beziehungsgestaltung war und z.T. immer noch ist.

Wie können Gedanken ein Hindernis sein?

Nun, ich, du und wir alle denken die ganze Zeit, ununterbrochen. Da ist ein regelrechtes Grundrauschen in unserem Kopf, das wir häufig nicht einmal bemerken. Erst, wenn wir zur Ruhe kommen wollen, z.B. wenn wir abends schlafen gehen oder bewusst einmal nicht denken wollen, bemerken wir dieses Gedanken-Karussell. Noch deutlicher werden uns diese Gedanken, wenn wir uns einmal bewusst zur Meditation hinsetzen. Es fällt Ungeübten sehr schwer, sich auch nur eine Minute lang auf die Beobachtung des eigenen Atems zu konzentrieren und nicht gleich wieder mit den Gedanken abzuschweifen.

Seitdem ich täglich einige Minuten meditiere ist mir deutlich bewusst geworden, dass ein großer Teil meiner Gedankenprozesse das "Beurteilen" meiner eigenen Handlungen und Erfahrungen, sowie das anderer Menschen und auch Situationen beinhaltet. Ich ordne meine Erlebnisse und Erfahrungen unentwegt in irgendwelche Schubladen ein. Wenn ich dabei nicht aufpasse, fälle ich nicht nur meine Urteile, sondern halte das dann auch noch für die Wahrheit.

Das hat mitunter fatale Folgen, weil ich meine Kommunikation dann entsprechend dieser Urteile ausrichte. Was dabei passiert ist, dass ich mich von meinen Mitmenschen entfremde und nicht selten in Streit und Konflikte gerate. Dann bin ich schon mittendrin in einem Prozess, der mich anfällig für Gewalt jeder Art macht.

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Meine innere Haltung oder warum ich nicht erziehe

Teil 2 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

Hallo zum 2. Teil meiner Blogserie. Ich bin ganz platt vom zahlreichen Feedback und der positiven Resonanz auf meinen ersten Artikel. Gleichzeitig haben mich einige Fragen und Kommentare im social media Bereich auch angeregt nochmal etwas deutlicher darauf einzugehen, was ich hier eigentlich mache. Dabei ist es auch nötig zu sagen, was ich nicht mache: Ich beschäftige mich nicht mit Erziehung! Ich gebe euch definitiv keine Rezepte, wie man ein Kind möglichst "harmonisch und kuschelig" erziehen oder dressieren kann.

Sondern, ich beschäftige mich mit der liebevollen und gewaltfreien Gestaltung der Beziehung zu meinem Sohn und zu meinem Mann. 

Es gibt von mir Beispiele für Beziehungsgestaltung aus dem echten, in diesem Fall, meinem Leben und gaaaanz viel Anregung für die Arbeit an sich selbst! Für beides kann ich nicht garantieren, dass es in der Nachahmung 1:1 funktioniert!!!

Warum? Weil es das Leben ist und kein vorab geschriebenes Drehbuch!

Mein Sohn, mein Mann und ich sind Individuen und als Familiengefüge genauso individuell wie jede andere Familie auch. Wir sind echte Menschen mit unseren Bedürfnissen, Gefühlen und (u.U. eingeschränkten) Fähigkeiten, diese zu kommunizieren. Bei uns gibt es keine Knöpfe, die man drücken muss und dann läuft alles wie geschmiert! Ich vergeige selbst auch immer noch genügend Situationen, erlebe entsprechend Konflikte und doofe Gefühle und bin ganz und gar keine Übermama.

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Blogserie: Wie können gewaltfreie Beziehungen in der Familie gelingen?

Auftakt: Warum ich Gewalt ablehne...

Heute geht es los! Ich starte meine Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben".

Ich habe mich entschieden, mein Herzensthema liebevolles und gewaltfreies Familienleben einmal in Serienform anzugehen, weil ich es mag, im Zusammenhang zu denken und mich einzufühlen. Wenn ich mich mit Gewaltfreiheit in meinen Beziehungen beschäftige, gerade mit dem Fokus auf meinem Familienleben, dann spüre ich, dass dieses Thema eine immense Tiefe, mit fast schon therapeutischer Wirkung, für mich hat.

Mit dieser Serie möchte ich die von Rosenberg entwickelten Schritte der Gewaltfreien Kommunikation im Kontext des Familienlebens reflektieren und diese auch im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse der Hirn- und Entwicklungsforschung betrachten. Aber keine Angst, die Artikel werden trotzdem immer mit Beispielen aus dem echten Leben angereichert sein.

Bei all dem geht es mir auch um meine eigene Entwicklung, um die Begegnung mit dem eigenen inneren Kind, um die Gewalt, die ich selbst erfahren habe und um die die ich selbst ausübe. Es geht mir um mehr Echtheit und um die Beschreibung oder das Erlebbarmachen der tiefen innigen Verbindungen, die mich und meine Familienmitglieder tragen.

Zum Auftakt möchte ich zunächst meine eigene Motivation abklären. Warum lehne ich Gewalt ab und was verstehe ich eigentlich alles unter Gewalt?

Um diese Fragen klären zu können, muss ich zunächst in meine eigene Kindheit zurück blicken, denn die Ablehnung von Gewalt kommt aus meinen Kindheitserfahrungen. Und sie nährt sich daraus, dass ich nicht der Meinung bin, dass mir bestimmte Gewalttaten "nicht geschadet hätten". Im Gegenteil, ich habe bis heute damit zu kämpfen und erlebe immer wieder, wie vielseitig ich beeinträchtigt bin von diesen persönlichen Gewalterfahrungen. Es hat mich viel Selbstreflexion gekostet, um aus einer destruktiven Schuld- und Minderwertigkeitsmühle heraus zu kommen und ich vermute, dass da noch einige Reste im Verborgenen schlummern.

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