Mehr Leichtigkeit im Alltag

Das Leben mit meinem Kind findet Jetzt statt!

Seitdem ich Mutter geworden bin, hat mein Stresspegel in einem Maß zugenommen, dass ich mir vorher nicht hätte träumen lassen. Manchmal habe ich das Gefühl erdrückt zu werden von der Flut an Entscheidungen die ich treffen soll, dem engmaschigen Zeitplan zwischen beruflicher Tätigkeit, ehrenamtlichen Verpflichtungen und der Organisation meines Alltags plus dem meines Kindes.

Gleichzeitig weigere ich mich, mich von dieser Hektik so treiben zu lassen, dass ich das Gefühl habe erst wieder frei zu sein, wenn mein Kind aus dem Haus ist. Ich will die Zeit mit meinem Kind bewusst erleben, will so viele Momente wie möglich genießen und mich nicht in 10 Jahren fragen müssen: "Wo ist die Zeit hin?". Oder mir vorwerfen: "Ach hätte ich doch die Zeit mit meinem Kind intensiver erlebt."

Ja genau! Das ist mein Ideal: Das Leben genießen und die gemeinsam Zeit bewusst zu verbringen. Das weiß ich inzwischen und trainiere mich darin, jeden Tag.

Aber wie kann das gehen, wenn man sooooo viel Stress hat?

Ich will euch heute mal ein paar Tipps mitgeben, die das eigene Mindset auf "den Alltag genießen" ausrichten:

1 - Wieder im "Jetzt" leben 

"Leben ist das, was dir geschieht, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden." 

Dieses Zitat stammt von John Lennon und er deutet hier darauf hin, dass wir irgendwie am Leben vorbei agieren. Ich nenne das auch gern "das Gefühl gelebt zu werden". 

Wir kommen auf diese Welt mit der Fähigkeit ganz im Hier und Jetzt zu leben. Das kann man an jedem Kind beobachten. Kinder interessieren sich nicht für Gestern, Morgen oder in einer halben Stunde.

Auf dem Weg ins Erwachsenwerden tritt diese Fähigkeit bei den meisten Menschen in unserer Gesellschaft irgendwann in den Hintergrund. Wir lernen, dass es Sinn macht, sich über die Zukunft Gedanken zu machen oder bekommen beigebracht aus vergangenen Situationen zu lernen.

Als Erwachsener im Hier und Jetzt zu leben erfordert eine bewusste Entscheidung. Sie ist der Befreiungsschlag, den es braucht um aus dem Karussell dieses Gefühls "des getrieben Sein" auszusteigen. 

Sich in dieser Art Achtsamkeit zu üben ist tatsächlich auch eine Lebenseinstellung. Es ist die Entscheidung, bewusst zu leben. Und es ist gewissermaßen genial, wenn man dies als Eltern tut. Man hat zum einen die besten Lehrmeister (unsere Kinder) im Haus und man erfährt durch diese Lebensweise die ganze Fülle des Elternsein: Man kostet aus, wofür man sich so plagt.  

Das klingt super, nicht wahr?

Aber es ist nicht so einfach dort hin zu gelangen, auch wenn man es sich vornimmt, so zu leben. Es ist schon ein Stück Arbeit und ich übe  wirklich täglich im "Hier und Jetzt" zu sein. 

Und so gelingt es mir zunehmend besser:

2 - Ich nehme Abstand von Urteilen, Diagnosen, Analysen ...

Egal welche Situation wir erleben oder mit welchen Menschen wir zu tun haben, wir beurteilen diese meistens binnen von Millisekunden. Zur Beruhigung: Das ist normal! Der Teil in unserem Gehirn, der noch Reptil ist, ist dafür verantwortlich, er möchte, dass wir blitzschnell auf eine Situation reagieren können. 

Allerdings ist diese automatische Reaktion hinderlich, wenn es darum geht, unser Leben zu genießen. Wir verhindern nämlich dadurch neue Ideen, Sichtweisen und Möglichkeiten und tragen immer nur den Schleier unserer (alten) Erfahrungen. Der versperrt uns die Sicht und versetzt uns regelmäßig in alte Gedankenmuster zurück. 

Richtig doof wird es, wenn wir durch die (vor)schnellen Urteile, die Situation eher verschlimmern. Ein klassisches Beispiel aus meinem Alltag: 

Ich habe mit meinem Sohn nach der Tagesmutter einen Termin z.B. beim Arzt. Die Zeit ist knapp und der Kleine will sich nicht anziehen lassen. In mir ensteht ein altbekannter Druck und veranlasst mich zu einem inneren Monolog: "Ach man, muss der Kleine immer so ein Theater machen, kann es nicht einmal nach Plan laufen?" Im schlimmsten Fall fange ich an zu schimpfen und übe Druck auf mein Kind aus: "Dass du dich immer beim Anziehen so anstellst. Man, das kann doch nicht so schwer sein, jetzt sind wir spät dran..." Und schwups, die Monstermama ist auf dem Plan getreten.

Ich bin mir sicher, dass du so ähnliche Szenen auch kennst. In meinem Alltag gäbe es sicher täglich Anlass dazu. Aber es ist fatal, solche Urteile, wie "Das Kind macht immer Theater." oder "Es trödelt immer." zu fällen. Es ist nicht fair, weil es an vielen anderen Tagen super klappt. Und vor allem ist ein solches Denken destruktiv und katapultiert mich in einen negativen Gedankenstrudel der im schlimmsten Fall dazu führt, dass ich meinen Sohn bis zur Ankunft beim Arzt weiter voll nörgele, und dabei gestresst und unzufrieden mit mir und der Welt bin.

Ich mache zudem mein Kind verantwortlich, anstatt mich zu fragen, was ich mit meinem Verhalten zur Situation beigetragen habe: War ich selbst spät zu dran, sodass mein Kind gar nicht die Zeit hatte, sich in Ruhe anzuziehen? Ist mein Kind vielleicht noch müde vom Mittagsschlaf? Wollte er vielleicht lieber noch spielen? In jedem Fall bin ich es, die unter Zeitdruck steht, nicht mein Kind. Ich habe also, ohne darüber nachzudenken ein rasches Urteil gefällt. 

Der Knackpunkt beim Urteilen liegt darin, dass die damit verbundenen Gedanken ("Ich bin zu spät.") Gefühle (Druck, Stress) in uns auslösen, die dann die Situation negativ befeuern. Deshalb für alle, zum an die Wand hängen:

"Mein Urteil über die Situation macht meine Gefühle (nicht mein Kind, Partner oder wer auch immer) und ich habe es daher immer in der Hand, die Situation zu beeinflussen, indem ich eine andere Perspektive zulasse!"

Egal ob es sich um die Zeitdruckproblematik, Verhaltensweisen des Kindes, die wir als "schwierig" einstufen oder die "unordentliche" Situation im Haushalt handelt. Alles, wirklich alles liegt in der Beurteilung der Situation und ich habe es in der Hand, ob es ein Drama wird oder die Situation entspannt und mit Leichtigkeit angehe. 

3 - Abschied von Erwartungen 

Mit Erwartungen verhält es sich eigentlich genauso, wie mit Urteilen. Die Erwartungshaltung an eine Situation birgt viel Leid, weil wir unzufrieden, frustriert, verärgert usw. sind, wenn sich die Situation nicht entwickelt wie erwartet (was in 90% der Fälle so ist). Gerade wenn es um Kinder geht, ist das ein heißes Eisen. Wann macht ein Kind schon, was man erwartet?

Diese Einsicht war für mich sehr heilsam. Ich neige sehr leicht zu Frustration, wenn sich etwas nicht so entwickelt, wie erwartet. Dabei ist der Alltag voll von Situationen, die sich unerwartet entwickeln und von geplanten Ereignissen, die dann doch nicht eintreten (Besuch sagt ab, Ausflug xy platzt wegen krankem Kind, Gespräch z verläuft nicht, wie erwartet...). Es ist wirklich eine Erleichterung, wenn man die Erwartungen außen vor lässt und den Verlauf einer Situation, ja des ganzen Tages offen lässt. Diese (neue) innere Haltung, hat mir persönlich viel Leichtigkeit gebracht.

4 - Agieren statt reagieren

Wenn ich mir darüber im Klaren bin, welche Rolle meine Urteile spielen und es mir gelingt, mich von den üblichen Urteilen zu distanzieren, dann schaffe ich eine "Verschnaufpause". Ich schaffe einen Raum in dem ich kluge Entscheidungen bezüglich meines Handelns treffen und entsprechend agieren kann. Ich komme weg von automatischen Reaktionen (z.B. mit dem Kind schimpfen, den Partner anfauchen, etc...), die ich vielleicht später bereue. Ich erlebe zudem eine neue Wirksamkeit (Empowerment), die mich zuversichtlicher werden lässt. 

5 - Akzeptanz der Situation

"Es ist, wie es ist!"

Die Akzeptanz der Situation, so wie sie ist, birgt eine wahre Transformationskraft. Wenn ich anerkenne, dass es jetzt gerade so ist und nicht, wie ich es haben will (z.B. Ich akzeptiere, dass ich spät dran bin, dass das Kind gerade quengelig ist, dass ich soeben den Bus verpasst habe...), dann distanziere ich mich automatisch von Urteilen über die Situation. Ich habe zudem die Energie, die ich normalerweise verwende, um die Situation abzulehnen, zur Verfügung und kann "kreativ" werden. Ich erkenne oft, dass schon die "Nicht-Bewertung" der Situation ein Schritt zur Heilung ist. Oft schaffen wir nämlich durch unser Urteil erst ein Problem, das vorher nicht da war. 

Ich höre schon die Skeptiker unter euch: Wenn ich alles einfach akzeptiere, werde ich dann nicht willenlos? 

Die Antwort darauf lautet: Nein! Im Gegenteil! Erst durch Akzeptanz kann ich wirklich gute Entscheidungen treffen. Im Jetzt zu leben, bedeutet allem, was in diesem Augenblick geschieht Aufmerksamkeit zu schenken, ohne sich dabei mit Sorgen um die Zukunft zu beschäftigen oder über Vergangenes zu grämen. Genau dies geschieht nämlich in den meisten Fällen: Wir setzten den aktuellen Moment in Relation zu Vergangenheit oder Zukunft und bewerten ihn in diesem Licht. Das führt zur Ablehnung, zur Nicht-Akzeptanz.

Wenn wir jedoch den Moment "so sein lassen", entspannt sich unser ganzes System. Eine neue Leichtigkeit stellt sich ein, die letztlich dazu führt, dass wir mehr genießen können. Da drängt sich mir unweigerlich der alte Beatles Song "let it be" auf (wo wir doch heute schon John Lennon zitiert haben). 

6 - Auszeiten und Meditation

Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut, wie wichtig es ist, täglich ein bisschen Stille zu erfahren und sich zu sammeln. Wir müssen unsere Batterien laden und wir sollten das nicht nur im Urlaub tun. Ich habe für mich erreicht, dass ich mir täglich 30 Minuten Stille gebe in Form von Meditation. Das hilft enorm dabei, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und ich werde mir des Geplappers im Kopf (Urteile, Erwartungen, Grübeln über Vergangenheit und Zukunft, etc.) erst so richtig bewusst.

Seitdem ich Meditation praktiziere, konnte ich eine Menge Gelassenheit und Leichtigkeit im Alltag kultivieren. Wer aber keine Muße hat für Meditation, dem ist vielleicht schon mit einem Spaziergang oder einfach einer halben Stunde Ruhe geholfen. Wichtig ist, dass man dabei bei sich selbst ist und sich nicht mit irgendwelchen Medien, wie Fernsehen oder Smartphone beschäftigt. Man kann sich z.B. darauf konzentrieren, wie der Atem fließt oder sich bewusst seine Umgebung ansehen. Ich schreibe zum Thema Meditation noch ein Blog, da gibt es Infos und Tipps zu diesem Thema.

7 - Den alltäglichen Alltag genießen

Mittendrin in all dem Rummel des Alltags mit seinen 10.000 Entscheidungen am Tag und mit all den Dingen, die erledigt sein wollen, ist es kein Wunder, dass wir leicht den einen jetzigen Augenblick nicht wahrnehmen, ja, ihn wirklich manchmal ablehnen und uns nach dem Feierabend, den Ferien, der großen Urlaubsreise, etc. sehnen. Unser Blick schweift unentwegt in die Zukunft.

Aber wir haben nur diesen Moment jetzt, den wir wirklich leben können. Und unser Leben besteht nun einmal zu einem hohen Prozentsatz aus diesem schnöden Alltag. In ihm spielt sich das Leben ab! Darum sollten wir ihn von ganzem Herzen annehmen und genießen, jeden Tag, jede Stunde, jeden Augenblick. 

Dahin zielen ja auch die ganzen Ratgeber mit Sprüchen, wie "finde das Glück in den kleinen Dingen" ... 

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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