Selbstempathie und Selbstwertschätzung als Eltern

Von der Kunst gut für sich selbst zu sorgen

6.30 Uhr - Kind wecken, anziehen, Sachen für den Tag einpacken und es verabschieden (derzeit bringt mein Mann unseren Sohn zur Tagesmutter). Dann weiter: eine Waschmaschine anwerfen, frühstücken, an den Rechner setzen, um Texte, Angebote, und Konzepte zu schreiben, dann eine Runde Telefonate und Organisatorisches, ggf. Termine, die wahrgenommen werden müssen. Meine To-do-Liste ist wie immer prall gefüllt. 15 Uhr!!! Jetzt aber los laufen/fahren, Söhnchen von der Tagesmutter abholen.

Mein Tag geht ab hier in die 2. Schicht: Kind entgegen nehmen, eventuelle Fragen mit der Tagesmutter besprechen, Brötchen, Kekse oder Eis kaufen, emotionale Ausbrüche auffangen, auf den Spielplatz gehen, aufpassen, trösten, zuhören, beim klettern helfen, Zeit im Auge behalten, unter Protest des kleinen Mannes aufbrechen, Windeln und Zutaten für's Abendessen kaufen, nach Hause gehen/fahren. 18.30 Uhr: Abendessen zubereiten, dem Partner zuhören, vorlesen, Wäsche aufhängen, bügeln, staubsaugen, Zähne putzen und Kind ins Bett bringen, noch ein paar Mails checken, Tagesplanung für morgen angucken oder einfach nur umfallen. 

So oder so ähnlich sieht wohl bei den meisten berufstätigen Eltern ein Tagesablauf aus. Wir leisten jeden Tag wirklich eine Menge. Aber wie oft erfahren unsere Leistungen eigentlich Wertschätzung? Wer gibt sie uns? Der Partner? Die Gesellschaft? Können wir überhaupt erwarten, dass uns jemand dafür Anerkennung zuteil werden lässt?

Ich glaube die Antwort lautet: Wir selbst müssen lernen, uns mit Wertschätzung und Empathie zu versorgen, genauso, wie wir uns mit Essen und Trinken versorgen.

Stattdessen gehen wir selbst meist am härtesten mit uns ins Gericht, besonders in der Elternrolle. Wir wollen, das unsere Kinder eine tolle Kindheit haben, dass sie in Liebe und Geborgenheit aufwachsen und dass es ihnen auch Materiell an nichts fehlt. Dafür ackern wir, bis wir umfallen und bleiben selbst häufig auf der Strecke. Wenn uns die Dinge und Vorhaben nicht so gelingen, wie wir uns das wünschen, verfallen wir dann schnell in Verurteilungen unserer eigenen Person. 

Ich kann ein Lied davon singen, wie oft ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mein Kind doch mal ruppig behandelt habe und wütend geworden bin oder es nicht geschafft habe, einen Konflikt zu lösen. Dann nage ich innerlich an dieser Situation herum und verliere den Blick dafür, was eigentlich alles positiv gelaufen ist und was ich anerkennen sollte. 

Selbstverurteilungen führen jedoch zu nichts, außer zu noch mehr Leid. Marshall Rosenberg sagte, dass Selbstverurteilungen GIFT für unser Leben sind und uns schwächen. Stattdessen ist es wichtig, mit sich selbst empathisch umzugehen. Wie kann das aber gehen?

Wie durchbreche ich die Spirale der Selbstverurteilung und finde einen Zugang zu mir?

Es ist sehr wohl legitim, Misslungenes zu bedauern oder zu betrauern, und sich anzusehen, welche Bedürfnisse dabei nicht erfüllt wurden. Wenn ich die damit einhergehenden Gefühle zulasse und willkommen heiße, dann kann ich sie wesentlich leichter loslassen. Dafür brauche ich mir selbst gegenüber eine Portion Empathie (mehr dazu gibt es in diesem Artikel), die Fähigkeit mich mit meiner ganzen Präsenz wertfrei wahrzunehmen.

In dieser Wahrnehmung gelingt es mir auch, meinen Blick wieder auf all das zu richten, was mir am Tag gelungen ist und dies entsprechend zu würdigen und zu wertschätzen. Und ich finde, wir sollten alles, was wir so schaffen am Tag würdigen, feiern und uns sagen: "Wow, das alles habe ich heute getan! Ich habe wirklich etwas geschafft."

Selbstempathie und Selbstwertschätzung sind für mich 2 wichtige Werkzeuge in der Gestaltung meines Alltags und meiner Beziehungen. Beide stärken meine Selbstachtung. Sie richten in mir etwas auf, dass meine Haltung gerader werden lässt und mich mit Stolz vom "Mutter-sein" als Teil meiner Identität erzählen lässt. Aus einer wohlwollenden Haltung mir selbst gegenüber heraus, packe ich die Dinge gleich mit mehr Leichtigkeit an. 

Wenn ich mich dennoch einmal mehr bei der Selbstverurteilung ertappe, dann hilft mir persönlich ein Gedanke von Marshall Rosenberg sehr:

"Jeder Mensch macht in jedem Augenblick seines Lebens das Allerbeste, was er gerade tun kann."

Wie geht es dir mit diesen Gedanken? Ich freue mich wie immer auf Rückmeldungen in Form von Kommentaren oder Mails: mareike@liebevollefamilie.de 

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

3 thoughts on “Selbstempathie und Selbstwertschätzung als Eltern

  1. Hallo Mareike,

    danke für deinen Artikel und das Zitat von Marshall. Ich liebe dieses Zitat und es begleitet mich in meinem Alltag. Zu wissen, dass wir immer das Beste geben, was gerade möglich ist, dass entspannt mich sehr.

    Sonnige Grüße
    Jana

  2. Hallo, Mareike,
    Du sprichst mir mit deinem Blog aus dem Herzen. Ich empfehle immer, ein kleines Notizbuch zu führen und jeden Abend aufzuschreiben, wofür ich. Dankbar sein kann.
    Als Richtwert sollten hier drei bis fünf solcher Gedanken auf tauchen. Wenn man dann mal einen richtigen Tiefpunkt erreicht hat, hilft uns dieses Buch dann, darüber hinweg zu kommen.
    Mehr dazu auf meinem Blog.

    1. Lieber Frank,

      danke für deinen Kommentar und deine Verbindung. Ich finde die Idee sehr gut, sich jeden Abend ein paar Notizen zu machen. Dankbarkeit und Anerkennung für den Tag hat eine großartige Kraft für unser Selbstwertgefühl.

      Bei Gelegenheit stöbere ich auch mal bei dir auf dem Blog 😉

      Alles Liebe
      Mareike

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