12 Dinge, die ich meinem Kind im Alltag immer wieder sage

Starke Kommunikation fördert starke Kinder

Den meisten Eltern ist die Bedeutung von "Kommunikation" im Leben  - sowohl beruflich als auch privat -  sehr bewusst. Gute kommunikative Fähigkeiten werden in unserem Zeitalter als die Komponenten genannt, die es braucht, um im Leben voran zu kommen (laut "The Pew Research Center of America" noch vor Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Teamarbeit und logischem Denken). 

Aber welche Art von Kommunikation braucht mein Kind eigentlich, um zu einer starken Persönlichkeit zu werden?

Ich glaube aus eigener Erfahrung fest daran, dass die Kommunikation, die unsere Eltern mit uns pfleg(t)en einen enormen Einfluss darauf hat, wie wir uns entwickeln. Mein eigenes Selbstwertgefühl hat jahrelang unter der unachtsamen Kommunikation von Erwachsenen gelitten. So entwickelte sich z.B. meine "innerer Nörgeltante" (so nenne ich liebevoll die Stimme in mir, die irgendwie nie zufrieden zu sein scheint, mit dem was ich tue) aus genau dieser Kommunikation. Sie flüstert mir auch heute immer noch Sätze zu, die ich aus meiner Kindheit kenne, wie z.B. "Nimm dich nicht so wichtig." oder "Was willst du? Das schaffst du niemals."

Als Mutter habe ich mir fest vorgenommen, dieses Muster der negativen Kommunikation zu durchbrechen und mit meinem Kind so achtsam und liebevoll umzugehen, wie es nur irgendwie geht. Ich übe mich also darin acht zu geben auf das, was ich zu meinem Kind sage. Aber bevor ich darauf genauer eingehe, möchte ich noch einen kleinen Baustein mit dir teilen, der mir die Augen geöffnet hat, was die Wirkung von Kommunikation betrifft:

Es steht fünf zu eins für negative Gefühle

Rick Hanson, ein Neurowissenschaftler schreibt, dass wir Menschen die biologische Tendenz haben, negative Gefühle besser zu erinnern, als positive. Dies begründet er damit, dass wir aus den negativen Erfahrungen am meisten lernen, weshalb sich die Fokussierung auf negative Gefühle in der evolutionären Entwicklung des Menschen für unser Überleben als notwendig heraus kristallisiert hat. Dies hat zur Folge, dass laut Hanson in einer Beziehung 5 positive Interaktionen notwendig sind um eine negative auszugleichen!

Wenn ich also einmal am Tag mit meinem Kind "schimpfe", "Nein" sage oder "unfair bin", muss ich 5 positive Interaktionen nachschieben, damit mein Kind ein gutes Gefühl in seiner Beziehung zu mir hat! Deshalb arbeite ich daran, meinem Sohn bewusst immer wieder positive Dinge zu sagen. Das mache ich natürlich nicht total willkürlich, sondern schaue gerade auch in Konfliktsituationen, was ich sagen will und was dies ggf. anrichtet. 

Um euch ein paar Beispiele zu geben, habe ich meine Top 12 Sätze aufgelistet, die ich meinem Kind sage, um ihm zu versichern, dass ich ihn liebe, wahrnehme, für ihn da bin, etc.:

1 - "Ich höre dich." oder "Ich höre dir zu."

Ich möchte, dass mein Sohn mit der Sicherheit aufwächst, dass das was er sagt mindestens genauso wichtig ist, wie das was Mama oder Papa sagen. Ich sage ihm damit also, deine Stimme/Meinung ist mir wichtig (auch mit 2 Jahren schon).

2 - "Nimm dir die Zeit, die du brauchst."

Letzte Woche habe ich ja bereits ausführlicher das Thema Trödeln besprochen. Ich schule mich gerade darin, nach zwei bis drei tiefen Atemzügen, das Tempo ein wenig raus zu nehmen und Sätze wie "Beeil dich!" oder "Wir haben es eilig!" einfach zu vermeiden. Das hilft auch mir selbst ein gutes Stück, den Alltagsstress kleiner zu halten. 

3 - "Ich habe dich lieb, so wie du bist."

Die Heilsamkeit dieser Worte leuchtet wohl jedem ein. Ich selbst hätte sie gern in meiner Kindheit öfter gehört. Diesen Satz handhabe ich auch gern wie ein kleines Mantra. Ich übe mich in der Geisteshaltung der bedingungslosen Akzeptanz meines kleinen, mir anvertrauten Sohnes.  

4 - "Vielen Dank, dass du xy gemacht hast."

Ist dir schon mal aufgefallen, wie viele Handlungen und Gesten wir von unseren Lieben als selbstverständlich hinnehmen (für die wir uns bei Fremden in jedem Fall bedanken würden)? Ich möchte mich mit dieser kleinen Geste der Höflichkeit auch bewusst bei meinem Sohn bedanken. Ich kultiviere damit Dankbarkeit in unserer Familie. Das hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass er von ganz allein auch Bitte und Danke sagt und nicht dazu "erzogen" werden muss.

5 - "Ich bin gerne deine Mami." oder "Es macht Spaß deine Mami zu sein."

Das ist eine für mich einfache Wahrheit, die ich gerne ausspreche.

6 - "Wow, das hast du aber schnell gelernt."

Kleine Kinder sind rasant schnell, wenn es darum geht etwas zu lernen. Ich finde das sollten wir auch hin und wieder anerkennen. Das tut nicht weh und stärk das Selbstvertrauen. 

7 - "Es tut mir leid."

In meinem Verständnis von Eltern-Kind-Beziehung ist es wichtig auch als Erwachsener zuzugeben, wenn man einen Fehler gemacht hat. Die unmittelbare Wirkung bei meinem Kind ist, dass auch er sich (mit nur knapp 2 Jahren) hin und wieder entschuldigt. Er sagt dann so niedliche Sachen wie "Tute leid." (hinschmelz).

8 - "Es ist in Ordnung wenn du weinst."

Entgegen dem früheren "ein echter Indianer kennt keinen Schmerz" finde ich sehr wohl, dass Kinder und vor allem auch Jungs ihre Gefühle zeigen und auch weinen dürfen. Ich möchte nicht, dass mein Sohn als Erwachsener keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen hat, weil ich ihm beigebracht habe, diese wegzudrücken (was ich machen würde, wenn ich seinen Schmerz bagatellisiere). 

9 - "Es ist ok ärgerlich oder wütend zu sein." 

Damit gebe ich meinem Kind ähnliche Signale, wie die unter Punkt 8 beschriebenen. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass mein Kind lernt seine Gefühle zu benennen und die darunter liegenden Bedürfnisse zu erkennen. Das alles beginnt damit, dass wir Gefühle überhaupt erstmal zulassen.  

 10 - "Aha, erzähl mir mehr davon." oder "Und wie geht die Geschichte weiter?"

Momentan hat mein Sohn phasenweise schon richtige Geschichten auf Lager in denen er nacherzählt was ich ihm vorgelesen habe und manchmal verknüpft er diese Geschichten auch neu miteinander. Das ist wirklich spannend und ich höre ihm gerne dabei zu. Außerdem ermutigt es ihn, mir seine Ideen mitzuteilen. Ich hoffe sehr, dass daraus später auch die Mitteilung von Gedanken und Gefühlen erwächst, die er derzeit noch nicht benennen kann. 

11 - "Komm, wir lesen eine Geschichte." 

"Geschichten vorgelesen bekommen" ist eine Lieblingsbeschäftigung meines Kindes. Daher weiß ich einfach, dass ich ihm damit immer eine Freude mache.

12 - "Ich habe dich vermisst."

Das entspricht tatsächlich immer der Wahrheit, wenn mein Sohn nicht bei mir ist. Auch wenn ich froh bin über Freiräume zum arbeiten, entspannen und "Dinge erledigen", ist unterschwellig immer ein kleines nagendes Gefühl des Vermissens da. 

 ...to be continued

Ich glaube mit fortschreitender Entwicklung meines Sohnes werde ich diese Liste noch erweitern. Schon das notieren macht enorm Spaß, weil mir bewusst ist, welches Freude diese einfachen Sätze in ein Kinderherz zaubern können und wie sehr es daran wachsen kann.

Wie geht es dir mit diesen Zeilen? Welche Dinge sagst du deinem Kind gern? Oder gibt es Dinge, die du deinem Kind öfter sagen möchtest? Wie ist das bei größeren Kindern? Hinterlasse dazu gern einen Kommentar oder schreib mir: mareike@liebevollefamilie.de

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

8 thoughts on “12 Dinge, die ich meinem Kind im Alltag immer wieder sage

  1. Hallo Mareike,
    ich habe gestern auf Deinem Blog gestöbert und bin dabei über diesen Beitrag gestolpert. Einige Sätze, mit denen Du Deinem Sohn versichern willst, dass Du ihn bedingungslos liebst und wahrnimmst, finde ich sehr schön und passend. Einer davon ist: „Ich bin gerne Deine Mama“. Dieser Satz hat mich sehr berührt, weil meine 5-jährige Tochter vor einiger Zeit, als ich mit ihr geschimpft habe, im Anschluss ganz geknickt gefragt hat, ob ich lieber ein anderes, „braveres“ Kind hätte als sie. Mir ist bei dieser Frage der Atem gestockt und ich war wie vom Donner gerührt, weil er so eine tiefe Unsicherheit seitens meiner Tochter ausdrückt, ob sie sich meiner Liebe sicher sein kann. Das hat mir wieder gezeigt, dass ich noch weit entfernt bin von dem angestrebten Ziel, sie so wertzuschätzen und auch so wertschätzend zu behandeln, wie ein Kind es verdient. Viel zu oft schimpfe ich, beuge mich dem sozialen Druck, höre auf die „bösen Geister“ der inneren Stimme, falle in alte, selbst erlebte und verankerte Erziehungsmuster zurück.
    Gestern hatten meine Tochter und ich einen guten Nachmittag, haben miteinander gespielt und abends, als ich ihr geholfen habe, sich bettfertig zu machen, habe ich zu ihr gesagt: „Es ist schön, Deine Mama zu sein.“ Diesmal war sie es, die wie vom Donner gerührt innegehalten hat, dann hat sich mich angeschaut und es ist so ein unbeschreibliches Strahlen über ihr Gesicht gehuscht, dass mir klar war, dass ich mit diesem Satz genau ins Schwarze getroffen hatte. Sie meinte dann noch: „Wirklich, Mama?“ und dann hat sie mich umarmt und gesagt, wie lieb sie mich hat. Wir sagen uns zwar öfter, dass wir uns lieb haben, aber der Satz, dass es schön ist, ihre Mama zu sein, hat anscheinend viel mehr den Nerv getroffen. Es war auf jeden Fall ein sehr kostbarer Moment – geschenkt durch die Anregung auf Deinem Blog. Vielen Dank dafür, liebe Mareike.

    1. Liebe Nicole,
      ich bin ganz gerührt von deiner Geschichte und freue mich so, dass ich einen Beitrag leisten konnte, die Beziehung zu dir und deiner Tochter zu vertiefen 🙂
      Das sind die Rückmeldungen, die mich motivieren, diesen Blog zu schreiben (jetzt strahle ich von innen)!
      Alles Liebe
      Mareike

  2. Liebe Mareike, das hast Du gut zusammengefasst. Die Gewaltfreie Kommunikation ist auch unser Weg und eine wichtige Stütze im Familienleben. Bei dem Satz „Wow, das hast du aber schnell gelernt.“ habe ich allerdings bei meinen etwas älteren Kindern andere Erfahrungen gemacht. Besonders mein Dritter war frustriert, wenn er dann mal etwas nicht schnell hinbekommen hat. Mittlerweile versuche ich ihre Tätigkeiten nicht mehr zu bewerten, was ja „schnell“ ist, sondern nur wahrzunehmenund zu beschreiben. Damit sind sie auch völlig glücklich. Denn das ist ja das, was Kinder wollen, gesehen werden, mit dem was sie tun und wie sie sind. Liebe Grüße Dagmar

    1. Liebe Dagmar,
      danke für deinen Kommentar und die Anregung, die „Bewertung“ noch ein wenig zurück zu fahren. Daran habe ich gar nicht gedacht, dass das später auch zu Enttäuschungen führen kann, wenn mal etwas nicht so schnell klappt. Ach ich bin echt froh über solches Feedback.
      Viele Grüße!

  3. Sehr schön geschrieben!
    Wenn sich mein Sohn ärgert, dass er etwas (noch) nicht schafft, sag ich ihm „Übung macht den meister“ oder dass ich es auch mehrfach versuchen musste.
    Wenn er etwas vergisst, dann sage ich ihm, dass das mal passieren kann. Und dass ich auch lange nicht alles kann oder perfekt bin – deshalb braucht er es auch nicht sein. Ich möchte keinen perfekten Sohn, sondern ihn – meinen Sohn. Perfekt zu sein ist langweilig. Tolle Ideen lobe ich. …

    1. Liebe Min,
      ja, genau, mir geht es auch so. Ich will auch kein „perfektes Kind“ herbei erziehen, sondern ich finde mein Kind ist perfekt, so wie es ist. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass ich das immer wieder anerkenne. Ein bisschen sind diese Sätze auch immer eine Erinnerung für mich selbst 🙂

  4. Liebe Mareike,
    ich kann aus eigener Erfahrung (2 Söhne) deine Hinweise nur bestätigen. Positive Kommunikation ist für beide Seiten anregend und vieles nicht mehr so aufregend.
    Besonders in der Pubertät wird dieser achtsame Umgang mit den eigenen Kindern sich auszahlen. Es schont bei beiden die Nerven und beugt unnötigen emotionalen Verletzungen.
    Bei Jugendlichen kann ich die Sätze
    – ich unterstütze dich in dem was du tust
    – ich bin da, wenn du mich brauchst
    – meine Liebe zu dir ist unbedingt, egal was du tust
    als wichtige Stütze auf dem Weg zum erwachsen werden nur wärmstens ans Herz legen.
    Ganz besonders, wenn es schwierig wird. 😉

    Herzliche Grüße aus Münster
    Sabine Brüß

    1. Liebe Sabine,
      ich danke dir vielmals für deinen Kommentar, der mir ja einen Ausblick gibt, dass ich auf dem richtigen Weg bin mit meinem Söhnchen. Ich wünsche dir noch viele gute Erfahrungen mit deinen Söhnen auf dieser Ebene.
      Alles Liebe!

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