Starke Kommunikation fördert starke Kinder

Den meisten Eltern ist die Bedeutung von „Kommunikation“ im Leben  – sowohl beruflich als auch privat –  sehr bewusst. Gute kommunikative Fähigkeiten werden in unserem Zeitalter als die Komponenten genannt, die es braucht, um im Leben voran zu kommen (laut „The Pew Research Center of America“ noch vor Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Teamarbeit und logischem Denken). 

Aber welche Art von Kommunikation braucht mein Kind eigentlich, um zu einer starken Persönlichkeit zu werden?

Ich glaube aus eigener Erfahrung fest daran, dass die Kommunikation, die unsere Eltern mit uns pfleg(t)en einen enormen Einfluss darauf hat, wie wir uns entwickeln. Mein eigenes Selbstwertgefühl hat jahrelang unter der unachtsamen Kommunikation von Erwachsenen gelitten. So entwickelte sich z.B. meine „innerer Nörgeltante“ (so nenne ich liebevoll die Stimme in mir, die irgendwie nie zufrieden zu sein scheint, mit dem was ich tue) aus genau dieser Kommunikation. Sie flüstert mir auch heute immer noch Sätze zu, die ich aus meiner Kindheit kenne, wie z.B. „Nimm dich nicht so wichtig.“ oder „Was willst du? Das schaffst du niemals.“

Als Mutter habe ich mir fest vorgenommen, dieses Muster der negativen Kommunikation zu durchbrechen und mit meinem Kind so achtsam und liebevoll umzugehen, wie es nur irgendwie geht. Ich übe mich also darin acht zu geben auf das, was ich zu meinem Kind sage. Aber bevor ich darauf genauer eingehe, möchte ich noch etwas mit euch noch einen kleinen Baustein teilen, der mir die Augen geöffnet hat, was die Wirkung von Kommunikation betrifft:

Es steht fünf zu eins für negative Gefühle

Rick Hanson, ein Neurowissenschaftler schreibt, dass wir Menschen die biologische Tendenz haben, negative Gefühle besser zu erinnern, als positive. Dies begründet er damit, dass wir aus den negativen Erfahrungen am meisten lernen, weshalb sich die Fokussierung auf negative Gefühle in der evolutionären Entwicklung des Menschen für unser Überleben als notwendig heraus kristallisiert hat. Dies hat zur Folge, dass laut Hanson in einer Beziehung 5 positive Interaktionen notwendig sind um eine negative auszugleichen!

Wenn ich also einmal am Tag mit meinem Kind „schimpfe“, „Nein“ sage oder „unfair bin“, muss ich 5 positive Interaktionen nachschieben, damit mein Kind ein gutes Gefühl in seiner Beziehung zu mir hat! Deshalb arbeite ich daran, meinem Sohn bewusst immer wieder positive Dinge zu sagen. Das mache ich natürlich nicht total willkürlich, sondern schaue gerade auch in Konfliktsituationen, was ich sagen will und was dies ggf. anrichtet. 

Um euch ein paar Beispiele zu geben, habe ich meine Top 12 Sätze aufgelistet, die ich meinem Kind sage, um ihm zu versichern, dass ich ihn liebe, wahrnehme, für ihn da bin, etc.:

1 – „Ich höre dich.“ oder „Ich höre dir zu.“

Ich möchte, dass mein Sohn mit der Sicherheit aufwächst, dass das was er sagt mindestens genauso wichtig ist, wie das was Mama oder Papa sagen. Ich sage ihm damit also, deine Stimme/Meinung ist mir wichtig (auch mit 2 Jahren schon).

2 – „Nimm dir die Zeit, die du brauchst.“

Letzte Woche habe ich ja bereits ausführlicher das Thema Trödeln besprochen. Ich schule mich gerade darin, nach zwei bis drei tiefen Atemzügen, das Tempo ein wenig raus zu nehmen und Sätze wie „Beeil dich!“ oder „Wir haben es eilig!“ einfach zu vermeiden. Das hilft auch mir selbst ein gutes Stück, den Alltagsstress kleiner zu halten. 

3 – „Ich habe dich lieb, so wie du bist.“

Die Heilsamkeit dieser Worte leuchten wohl jedem ein. Ich selbst hätte sie gern in meiner Kindheit öfter gehört. Diesen Satz handhabe ich auch gern wie ein kleines Mantra. Ich übe mich in der Geisteshaltung der bedingungslosen Akzeptanz meines kleinen, mir anvertrauten Sohnes.  

4 – „Vielen Dank, dass du xy gemacht hast.“

Ist euch schon mal aufgefallen, wie viele Handlungen und Gesten wir von unseren Lieben als selbstverständlich hinnehmen (für die wir uns bei Fremden in jedem Fall bedanken würden)? Ich möchte mich mit dieser kleinen Geste der Höflichkeit auch bewusst bei meinem Sohn bedanken. Ich kultiviere damit Dankbarkeit in unserer Familie. 

5 – „Ich bin gerne deine Mami.“ oder „Es macht Spaß deine Mami zu sein.“

Das ist eine für mich einfache Wahrheit, die ich gerne ausspreche.

6 – „Wow, das hast du aber schnell gelernt.“

Kleine Kinder sind rasant schnell, wenn es darum geht etwas zu lernen. Ich finde das sollten wir auch hin und wieder anerkennen. Das tut nicht weh und stärk das Selbstvertrauen. 

7 – „Es tut mir leid.“

In meinem Verständnis von Eltern-Kind-Beziehung ist es wichtig auch als Erwachsener zuzugeben, wenn man einen Fehler gemacht hat. Die unmittelbare Wirkung bei meinem Kind ist, dass auch er sich (mit nur knapp 2 Jahren) hin und wieder entschuldigt. Er sagt dann so niedliche Sachen wie „Tute leid.“ (hinschmelz).

8 – „Es ist in Ordnung wenn du weinst.“

Entgegen dem früheren „ein echter Indianer kennt keinen Schmerz“ finde ich sehr wohl, dass Kinder und vor allem auch Jungs ihre Gefühle zeigen und auch weinen dürfen. Ich möchte nicht, dass mein Sohn als Erwachsener keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen hat, weil ich ihm beigebracht habe, diese wegzudrücken (was ich machen würde, wenn ich seinen Schmerz bagatellisiere). 

9 – „Es ist ok ärgerlich oder wütend zu sein.“ 

Damit gebe ich meinem Kind ähnliche Signale, wie die unter Punkt 8 beschriebenen. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass mein Kind lernt seine Gefühle zu benennen und die darunter liegenden Bedürfnisse zu erkennen. Das alles beginnt damit, dass wir Gefühle überhaupt erstmal zulassen.  

 10 – „Aha, erzähl mir mehr davon.“ oder „Und wie geht die Geschichte weiter?“

Momentan hat mein Sohn phasenweise schon richtige Geschichten auf Lager in denen er nacherzählt was ich ihm vorgelesen habe und manchmal verknüpft er diese Geschichten auch neu miteinander. Das ist wirklich spannend und ich höre ihm gerne dabei zu. Außerdem ermutigt es ihn, mir seine Ideen mitzuteilen. Ich hoffe sehr, dass daraus später auch die Mitteilung von Gedanken und Gefühlen erwächst, die er derzeit noch nicht benennen kann. 

11 – „Komm, wir lesen eine Geschichte.“ 

„Geschichten vorgelesen bekommen“ ist eine Lieblingsbeschäftigung meines Kindes. Daher weiß ich einfach, dass ich ihm damit immer eine Freude mache.

12 – „Ich habe dich vermisst.“

Das entspricht tatsächlich immer der Wahrheit, wenn mein Sohn nicht bei mir ist. Auch wenn ich froh bin über Freiräume zum Arbeiten, Entspannen und „Dinge erledigen“, ist unterschwellig immer ein kleines nagendes Gefühl des Vermissens da. 

 …to be continued

Ich glaube mit fortschreitender Entwicklung meines Sohnes werde ich diese Liste noch erweitern. Schon das notieren macht enorm Spaß, weil mir bewusst ist, welches Freude diese einfachen Sätze in ein Kinderherz zaubern können und wie sehr es daran wachsen kann.

Wie geht es dir mit diesen Zeilen? Welche Dinge sagst du deinem Kind gern? Oder gibt es Dinge, die du deinem Kind öfter sagen möchtest? Wie ist das bei größeren Kindern? Hinterlasse dazu gern einen Kommentar oder schreib mir: mareike@liebevollefamilie.de

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