Die Impulswoche "Aus Wut wird Mut" Vol. 3

Tag 4

Die Kenntnisse über deine Bedürfnisse erweitern

Herzlich willkommen zum 4. Impuls!

Heute stelle ich dir ein weiteres Puzzle Teil für den gesunden Umgang mit deiner Wut zur Verfügung. Dabei möchte ich den Zusammenhang zwischen Gefühlen und Bedürfnissen aus dem Impuls des zweiten Tages noch einmal deutlich herausarbeiten.

Ich möchte dir zeigen, wie dir diese Erkenntnisse ganz speziell dabei helfen, in Situationen in denen du wütend bist, deine Wut sozusagen zu transformieren oder umzulenken, indem du dich mit dem Bedürfnis, dass in in dir hungert verbindest.

Gestern hast du bereits gelernt, dass Wut zu den sekundären Gefühlen zählt, weil sie andere, häufig schmerzlichere Gefühle überlagert. Wenn sich bei dir Wut einstellt, dann kannst von diesem Tag an von folgenden Dingen ausgehen:

A) Du kannst dir sicher sein, dass sich dahinter noch andere, häufig sehr unangenehme Gefühle verbergen (Angst, Ohnmacht, Schmerz, Trauer, etc.).

B) Du kannst dir außerdem sicher sein, dass sich in dir gerade ein wirklich wichtiges Bedürfnis meldet.

C) Du hast weder Kontakt zu deinen primären Gefühlen noch hast du Kontakt zu deinen Bedürfnissen. Du bist vielmehr damit beschäftigt, einem Urteile über den vermeintlich Schuldigen für deine unangenehmen Gefühle nachzuhängen.

D) Dieses Urteil ist eine verzerrte Ausdrucksform deiner Bedürfnisse.

Was kannst du also tun, um deine Wut positiv für dich zu nutzen?

Die Gefühle hinter der Wut, geben dir deutlich Auskunft über deine Bedürfnisse. Lass dich von ihnen leiten, um Kontakt zu deinen Bedürfnissen herzustellen. Ich kann dich auch in diesem Fall wieder beruhigen, es ist relativ weit verbreitet, das wir Schwierigkeiten damit haben, unsere Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Bislang ist dieser Ansatz nicht weit verbreitet und wir haben vielmehr gelernt, einen Schuldigen für unsere unangenehmen Gefühle zu suchen.

Die Transformation beginnt dann, wenn du beginnst Verantwortung für deine Gefühle zu übernehmen! Das bedeutet, dass du von nun an damit beginnst, anstatt einen Schuldigen zu suchen dir sagst: "Aha, da ist Angst, Ärger, Frust .... Welche Botschaft hast du für mich?"

Wenn du aufhörst, mit dem Finger auf andere zu zeigen und deine Gefühle annimmst, dann steht dir der Weg offen zu deinen Bedürfnissen.

Eine sinnvolle Auseinandersetzung mit der eigenen Wut ist demnach die Folgende:

Lerne deine Gefühle und deine Bedürfnisse hinter der Wut besser kennen! Erweitere deine Kenntnisse über deine Bedürfnisse z.B. dahingehend, dass du dir zunächst vergegenwärtigst, was Bedürfnisse eigentlich sind.

Dafür gebe ich dir heute einen Bedürfnis-Wortschatz an die Hand. Beispiele für universelle menschliche Bedürfnisse sind:

Nähren der physischen Existenz: Luft, Nahrung, Wasser, Bewegung, Körpertraining, Schutz vor lebensbedrohenden Lebensformen (Viren, Raubtiere), Ruhe, Unterkunft, Kontakt, Sexualität

Miteinander/ Leben in sozialer Gemeinschaft: Mitgefühl, Wertschätzung, Nähe, Gemeinschaft, Rücksichtnahme, emotionale Sicherheit, Geborgenheit, Respekt, Unterstützung, Vertrauen, Verständnis, Zugehörigkeit

Autonomie: Träume/ Ziele/ Werte wählen, Pläne für die Erfüllung der eigenen Träume/ Ziele / Werte entwickeln

Feiern/ Trauern: Feiern, was das Leben nährt und bereichert, Bedauern (trauern), wenn die Bedürfnisse nicht erfüllt wurden, Verluste, Trennungen feierlich begehen

Authentizität/ Integrität (Übereinstimmung zwischen Handeln und eigenen Werten): Stimmigkeit, Wachstum, Kreativität, Sinn, Selbstwert, Selbstvertrauen, Lernen

Spiel: Freude, Lachen, Leichtigkeit

Spirituelle Verbundenheit: Schönheit, Harmonie, Inspiration, Ordnung (im Sinn von Struktur/ Klarheit), Frieden, zur Bereicherung des Lebens beitragen, Verbunden sein mit dem gesamten Leben

(Du kannst dir diese Auflistung hier gern als PDF herunter laden und dir sichtbar irgendwo hin hängen.)

Mein Impuls für dich heute lautet: Arbeitet mit der Wut als Detektiv für deine Bedürfnisse!

Wenn du Ärger oder Wut fühlst, mache dir klar, dass du in diesem Augenblick sehr weit weg bist von deinen Bedürfnissen. Deine Wut zeigt dir, dass etwas in dir hungert. Und anstatt die Wut zu unterdrücken, nimm sie zum Anlass, tief durchzuatmen und dich auf die darunter liegenden Gefühle und Bedürfnisse zu konzentrieren.

Herfür kannst du z.B. wenn deine Kinder sich streiten und du Wut empfindest, tief durchatmen und spüren, welche Erschöpfung oder Hilflosigkeit vielleicht hinter der Wut liegen. Dann kannst du auch klarer sagen: Ich brauche Ruhe oder Klarheit, worum es hier eigentlich geht.

Es ist gut möglich, dass dieses Vorgehen nicht sofort klappen wird. Aber auch wenn du ein bisschen Anlauf brauchst, wird es dir bald gelingen. Du hast jeden wütenden Moment deines Lebens zur Verfügung, um dich darin zu üben :-)!

Ich bin mir im Klaren darüber, dass dies für dich vielleicht nicht einfach umsetzbar ist. Vor allem nicht sofort in einer Live-Situation. Daher machen wir heute eine Trockenübung zur Vorbereitung.

Du hast gestern bereits 2-3 Situationen aus der Vergangenheit aufgeschrieben, in denen du in der Wut warst. Die Aufgabe lautete, nachzuvollziehen, welche Gedanken es waren, die deine Wut befeuert haben.

Nimm dir diese Situationen heute wieder zur Hand. Nutze sie heute, um zu erspüren, welche Bedürfnisse du in den Situationen hattest, worum es dir eigentlich ging, als du so wütend warst. Das hilft dir, ein Gefühl zu bekommen, was sich dann „live“ abspielen kann.

Zudem möchte ich dich einladen, heute auch die leiseren Töne der Wut zu erkunden. Wann immer du dich heute z.B. ärgerst oder auch Frust hast, nimm auch diese Gefühle zum Anlass deine Bedürfnisse dahinter zu erkunden. Werde dir der Gedanken bewusst, die dich in die Wut bringen und frage dich stattdessen: Was brauche ich in diesem Moment? Was hungert da so sehr in mir?

Und noch eine Anregung: Übe dich in Geduld dir selbst gegenüber! Auch wenn es die ersten Male nicht klappt, bleib dran! Es ist ein Prozess!

Teile deine Erkenntnisse gern, wenn du möchtest mit uns in der Facebook-Gruppe oder hinterlasse hier einen Kommentar.

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