Die Impulswoche "Aus Wut wird Mut" Vol. 3

Tag 5

Wut vollständig ausdrücken

Wie du hoffentlich im Laufe dieser Impulswoche gelernt und verinnerlicht hast, geht es uns in unserem Leben darum, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Du hast gelernt, dass du Aufgrund unerfüllter Bedürfnisse und deiner eigenen Urteile/ Schuldzuweisungen/ Glaubenssätze, etc. in die Wut kommst.

Ergo ist es sinnvoll zu lernen, wie du mit Hilfe des im Laufe der Woche aufgebauten Reflexionsprozesses, deine Wut vollständig auszudrücken kannst. Es geht also darum, zu erkennen, welche Gedanken du hegst und welche Gefühle damit einher gehen, um dann Klarheit über deine Bedürfnisse zu bekommen.

Dies in einer „Live-Situation“ umzusetzen setzt voraus, dass du in der Lage bist, deine Gefühle und Bedürfnisse recht schnell zu reflektieren, wenn du Wut in dir aufwallen spürst. Das hast du geübt, wenn du Impuls 3 und 4 aktiv bearbeitet hast. Ich bin mir bewusst, dass dies noch einiges mehr an Übung braucht und möchte dich ermutigen, einfach weiter zu üben. Dabei kann dich bewusstes Atmen unterstützen.

Auch die Auseinandersetzung mit der Situation im „Nachhinein“ kann dir helfen, zukünftig gleich bei deinen Bedürfnissen zu bleiben. Mir persönlich hilft es enorm, wenn ich schriftlich über Situationen reflektiere, in denen ich nicht angemessen reagiert habe.

Für heute und den Anfang ist es ausreichend, wenn du mit deinen notierten Situationen übst und diesen Ansatz in einer ähnlichen Situation „live“ probierst.

In diesem letzten Impuls geht es also darum laut auszusprechen, was du in den letzten Tagen an Gefühlen und Bedürfnissen in dir erkundet hast. Heute üben wir uns darin, Gewaltfreie Kommunikation im Alltag anzuwenden!

Da es für dich vielleicht wirklich ungewohnt ist, dich auf diese Art auszudrücken, gibt es (obwohl ich Rezepte ablehne) heute ein Muster zur Vorgehensweise, an dem du dich anfangs orientieren kannst. Es dient der Übung, damit du dich daran gewöhnst, diese Elemente in deine Kommunikation einzubauen. Wenn du eines Tages sehr geübt darin bist, läuft der Prozess wesentlich intuitiver ab. Es ist normal, dass es sich zunächst „holprig“ anfühlt.

Also, los geht’s! Sprich nacheinander aus, was auf die folgenden Punkte zutrifft:

1.Was genau hat dein Kind / Partner getan, wodurch verhindert wird, dass sich deine Bedürfnisse erfüllen?
2.Welche Gefühle nimmst du hinter der Wut wahr? Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Traurigkeit, Schreck, etc.?
3.Welche Bedürfnisse werden von ihnen ausgedrückt und sind nicht erfüllt worden?
4.Was brauchst du von deinem Kind / Partner in Bezug auf dein Gefühl und dein unerfülltes Bedürfnis?

Ich gebe dir dazu ein paar Beispiele dafür, wie das klingen kann:

1. Szene am frühen Morgen: „Du hast ‘Nein’ gesagt, als ich dich bat, deinen Sachen anzuziehen. Ich bin gerade ganz hilflos, weil ich jetzt gleich mit dir in die Kita gehen möchte und danach zur Arbeit. Mein Chef verlässt sich darauf, dass ich pünktlich zur Arbeit komme. Ich brauche Unterstützung und Leichtigkeit. Kannst du mir sagen, was dich daran hindert, deine Sachen anzuziehen?“

2. Kinder streiten: „Ich höre euch beide schreien. Das bereitet mir Schmerz in meinem Gehör und ich bin ganz ratlos, weil ich nicht weiß, worum es euch gerade geht. Außerdem wünsche ich mir Frieden und Ruhe im Haus. Könnt ihr mir nacheinander sagen, worum es euch geht?“

3.Dein Partner kommt nach Hause und hat etwas vergessen, worum du ihn gebeten hast: „Ich sehe, du hast die Kartoffeln nicht eingekauft, um die ich dich gebeten habe. Ich bin ganz ratlos und frustriert, weil ich sie für das Abendessen eingeplant hatte. Ich wollte gern Leichtigkeit, indem du mir diesen Weg zum Supermarkt abnimmst. Kannst du sie bitte noch holen? Oder hast du eine andere Idee, was wir unserer Familie heute alternativ zum Abendessen geben?“

Es handelt sich hierbei um Beispiele, die dir eine Orientierung geben können, wie das vollständige Ausdrücken deiner Wut ablaufen kann. Es gibt unzählige Beispiele und jede Situation ist anders. Also halte nicht zu sehr an starren Satzkonstruktionen fest.

Ganz am Anfang sagte ich ja, dass es darum geht, Gewohnheiten zu ändern. Bei all dem geht es also darum, deinen gewohnten Umgang mit der Wut von den Schuldzuweisungen / Urteilen / Glaubenssätzen, etc. weg hin zu deinen Bedürfnissen zu lenken.

 

Meine vorläufig letzte Aufgabe für dich lautet:

Nimm deine Notizen hervor und bearbeite die Situationen nach dem o.g. Muster. Wenn du die Zeit zurück drehen könntest, was hättest du mit deinem heutigen Wissen gesagt, anstatt auszuflippen? Sprich dies auch laut aus, damit du auf deinen Lippen ein Gespür für die Formulierung deiner Bedürfnisse bekommst.

Außerdem lade ich dich ein, heute auch „live“ zu üben. Nutze dafür Situationen, in denen du dich z.B. ärgerst oder Frust verspürst, ohne dabei gleich wütend zu sein (ist ja quasi die Vorstufe).

 

Als zusätzlicher Impuls sei Folgendes gesagt:

Du kannst die Perspektive auf die Bedürfnisse in deiner gesamten Familie etablieren, wenn du dich im täglichen Umgang damit übst. Besonders Kinder nehmen diese Art miteinander zu sprechen schnell auf. Es macht Spaß, sich an deinen Bedürfnissen und denen deiner Lieben auszurichten und zu schauen, was ihr tun könnt, damit so viele Bedürfnisse wie möglich erfüllt werden. Wenn wir den Fokus auf den Bedürfnissen richten, öffnen sich Türen und das Miteinander wird wärmer, liebevoller und friedvoller.

„Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Ort, dort treffen wir uns.“ Rumi

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