Was es für mich bedeutet Mutter zu sein – meine Gedanken zum Muttertag

Der Muttertag ist für mich immer etwas Besonderes. Oh, es geht mir hier nicht um Geschenke oder ein Verwöhnprogramm, nein! Ich nehme ihn eigentlich jedes Jahr zum Anlass, um mein Muttersein für mich besonders zu würdigen.

Die Geburt meines Sohnes hat bisher die tiefgreifendsten Veränderungen in meinem Leben mit sich gebracht - ich bin vom Leben nie zuvor so zum Wachsen herausgefordert worden. Ich glaube, dass Mutter (und auch Vater) zu sein, eines der letzten großen Abenteuer ist, die uns noch geblieben sind. Es gleicht einer inneren Reise hin zu uns selbst, wo wir am intensivsten mit uns verbunden sind und gleichzeitig am meisten Kraft haben, mit anderen verbunden zu sein.

Indem ich mich seit der Geburt meines Sohnes auf diese Reise begab, durfte ich eine neue Dimension von Liebe erfahren.

Die Liebe zu meinem Kind ist mit nichts vergleichbar, was ich zuvor in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen erlebt habe. Es fühlt sich an, als wäre mein Herz gewachsen. Als hätte es einfach durch seine Geburt das doppelte Volumen bekommen.

Damit geht aber auch einher, dass ich inzwischen Ängste und Sorgen ausstehe, die ich früher nie kannte. Was natürlich auch angewachsen ist, ist der Stresslevel. Es ist, als hätte das Muttersein mein Leben in jeder Hinsicht mit "mehr" angereichert: mehr Liebe, mehr Chaos, mehr Lachen, mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Gefühle, mehr Bedürfnisse, ...

Es ist kurz gesagt, die ganze Fülle des Lebens!

Was ich besonders würdige, ist der Umstand, dass kein anderer Mensch es je vermocht hat, mich so tief in Kontakt mit meinen Entwicklungsaufgaben zu bringen. Kein anderer Mensch hat mich je so herausgefordert, das Beste aus mir herauszuholen, wie es mein Sohn und die Liebe, die ich für ihn empfinde, vermögen.

Meine größte Entwicklungsaufgabe lag zweifelsohne darin, meine Wutmuster zu überwinden und inneren Frieden und Gelassenheit zu entwickeln. Ich erkannte sehr früh, dass ich noch viel an mir arbeiten sollte, um nicht die gleiche Erziehung an meinen Sohn weiter zu geben, die ich einst erfuhr.

Diese Erkenntnis hatte ich zum ersten Mal im Herbst 2014. Mein Sohn war gerade 6 Monate alt und ich erlebte einen schlimmen Tag mit ihm. Er zahnte und war den ganzen Tag weinerlich. Ich erinnere mich noch, wie erschöpft ich war, weil ich ihn nur beruhigen konnte, wenn ich ihn trug. Er wog damals schon knapp 10kg! Ich war also endlos erschöpft, hungrig und total mit meinen Nerven am Ende.

Und dann, als ich dachte er schläft endlich, legte ich ihn vorsichtig auf dem Bett ab und sofort ging es wieder los. Er schrie und schrie. Da nahm ich ihn hoch, sah ihn an und war kurz davor, ihn zu schütteln. Ich wusste sofort, wenn ich in diesem Augenblick nicht schon ein bisschen Vorlauf in Sachen Gewaltfreier Kommunikation gehabt hätte, hätte ich es getan. Ich war unendlich erschöpft und gleichzeitig erschrocken über diesen Impuls. Ich war entsetzt von diesem Gedanken und wusste, ich darf noch viel lernen.

Heute bin ich dankbar für diesen Moment. Ich bin damals wach geworden.

Ich beschäftigte mich fortan noch intensiver mit der Gewaltfreien Kommunikation und erkannte, wie wichtig es für uns beide ist, dass ich besser auf meine Bedürfnisse höre. Ich fand neue Wege, diese auch im dicksten Chaos schneller zu befriedigen. Ich übte mich in Achtsamkeit, ich wurde mir vieler Glaubenssätze aus meiner Kindheit bewusst, die mein inneres Kind und mein unbewusstes Handeln prägten, und heilte ein Stück weit meine Wunden durch jede Menge Selbstempathie.

Ich bin meinem Sohn aus tiefstem Herzen dankbar für diese Entwicklungsaufgabe. Ich habe gelernt, meine Wut zu kanalisieren und sie dadurch vollständig gewaltfrei ausdrücken zu können. Ich habe gelernt, gelassener und friedvoller zu agieren, auch wenn mein Sohn ein Verhalten an den Tag legt, das ich absolut nicht mag.

Dank ihm bin ich wahrlich gewachsen und weiß, was ich vom Leben will: Mit dem Herzen sehen, liebevoll sein, auch wenn man an die eigenen Grenzen kommt und sich total verausgabt. Ich will Freude und Friede als überwiegende Lebensgefühle in meiner Beziehung zu meinem Kind und den Menschen, die eng mit mir verbunden sind. Und ich will jeden Tag genießen.

Es braucht sicher nicht unbedingt einen Muttertag, um mir all dies bewusst zu machen. Aber dennoch lädt mich dieser Tag dazu ein. Ich möchte die Zeit nutzen um inne zu halten und zu würdigen, was ich dank der Tatsache, dass ich Mutter bin, alles an innerem Wachstum erreicht habe. Mir ist bis in die letzte meiner Körperzellen bewusst geworden, dass ich nur dann Frieden leben kann, wenn ich im Frieden mit mir selbst bin.

„Der größte Beitrag zum Frieden ist, in uns selbst Frieden zu machen.“
Marshall B. Rosenberg

Vielleicht hast du Lust, an diesem Muttertag auch ein bisschen Nabelschau zu halten, zu würdigen, was dein Muttersein für dich an Früchten hervor gebracht hat. Du musst ja nicht den ganzen Tag damit zubringen, sondern einfach einmal inne halten, dich darauf ausrichten, was du mit deiner Mutterschaft alles verbindest und wofür du besonders dankbar bist.

Lass sie hoch leben, die schönen Momente mit deinen Lieben und tauche damit ein in das Lebensgefühl, dass du haben willst, wenn du mit deinem Kind/ deinen Kindern Zeit verbringst.

Im Zuge dieser Reflexionen, die mit dem Vatertag am 10. Mai schon voll im Gang waren, wurde mir noch deutlicher bewusst, wie eng mein Muttersein und generell die Gestaltung meines Familienlebens auf die Art, wie ich es möchte, mit der Gewaltfreien Kommunikation verbunden ist.

Eine gewaltfreie Haltung zu leben, ist meine persönliche Mission. Und da ich weiß, wie wichtig es in diesem Prozess ist, sich immer und immer wieder mit dem "Spirit" der Gewaltfreien Kommunikation zu verbinden, gebe ich am 22.05. um 19.30 Uhr ein Webinar zum Thema. Der Titel lautet:

Liebevoller und friedlicher Familienalltag dank Gewaltfreier Kommunikation

Die Teilnahme ist für dich kostenlos und du kannst mir live alle deine Fragen zum Thema stellen.

Hier kannst du dich für das Webinar anmelden.

Ich freue mich, wenn wir uns live begegnen und wünsche dir von Herzen einen großartigen Muttertag im Kreis deiner Lieben, der geprägt ist von Liebe, Frieden und Freude. Naja und ein bisschen verwöhnen lassen darfst du dich natürlich auch ;-)

Alles Liebe

Mareike

About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

One thought on “Was es für mich bedeutet Mutter zu sein – meine Gedanken zum Muttertag

  1. Liebe Mareike, wie wundervoll. Ich danke Dir für diesen schönen Artikel. Er fasst zusammen, was Muttersein im besten Fall ist: eine Entwicklungsaufgabe. Dafür bin ich als auch unendlich dankbar. Danke auch für den Impuls, heute einmal in diese Richtung nachzuspüren. <3

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