„Ich bin zu blöd für GFK!“ – Selbstanklage in Selbstannahme verwandeln

In dieser Woche durfte ich einmal mehr mit einer Gruppe Menschen arbeiten, die sich von der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) einen souveränen Umgang mit ihren Konflikten erhofften. Dabei stand ich vor der Herausforderung, die GFK in nur 7 Stunden zu vermitteln. Alles lief nach Plan und ich konnte die Teilnehmer/innen gut mitnehmen, bis wir zur praktischen Übung empathischer Verbindung gelangten.

Eine Teilnehmerin wurde sehr emotional, warf mir vor, dass das nicht funktioniert, sie diese Art Kommunikation viel zu verletzlich macht und sie es nicht einsieht, für Menschen, die sich offensichtlich „falsch“ verhalten, auch noch Verständnis aufzubringen. Sie legte richtig los und warf der Person, um die es in diesem Konflikt ging, allerhand Dinge vor. Von „selber schuld“ bis hin zu „Schmarotzer“ war alles dabei.

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Wenn ES doch passiert – Warum die guten Vorsätze im gewaltfreien Umgang miteinander manchmal versagen

Es ist Sonntag und bisher ist der Tag wunderbar gelaufen: Zoobesuch mit vielen Tieren und hinreißenden Staun- und Begeisterungsmomenten meines Sohnes: „Oh Mama, guck mal da, die Elefanten!“ Ein leckeres Mittagessen gab es noch obendrauf.

Dann ist es Zeit, nach Hause zu fahren, und plötzlich passiert ES. Mein Sohn bringt eine gefühlte Ewigkeit an der Statue eines Elefanten zu, lässt sich auch mit allen GFK-gemäßen Bitten nicht zum Gehen bewegen und meine Laune sinkt deutlich.

Ich spüre Ungeduld in mir aufwallen, weil wir am Nachmittag noch eine Verabredung haben. Als die Zeit wirklich knapp wird, trage ich ihn gegen seinen Willen zum Auto. Dabei haut er mir die Brille vom Kopf und wirft meine Mütze weg. Bis zu diesem Moment habe ich meine Wut noch im Griff.

Im Auto dann die Eskalation: Er will sich nicht in den Kindersitz setzen, weint, schreit und haut um sich, und ich werde richtige wütend. Stopfe ihn gegen seinen Willen in seinen Sitz und werfe den Motor an. Im Losfahren sage ich noch: „Ich fahre nie wieder mit dir in den Zoo!“ Schon während ich das sage, weiß ich, dass das nicht wahr ist, und bereue meine Worte.

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7 Aspekte, die mir dabei helfen, das Gleichgewicht in der gewaltfreien Beziehungsarbeit zu halten

Heute Morgen las ich einen Artikel, der mich in seiner Ehrlichkeit in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen in der gewaltfreien oder unerzogenen Beziehungsarbeit innerhalb der Familie stark beeindruckt hat (hier der Link zum Artikel).

Die Autorin Sylvie spricht an, dass Eltern, die sich ernsthaft auf den Weg der Gewaltfreiheit begeben haben oder der Grundhaltung unerzogen nahe stehen (das ist für mich das Gleiche), Gefahr laufen, in eine Falle zu tappen:

Nachdem einmal verstanden wurde, dass bestimmte Handlungen und auch Kommunikationsweisen dem Kind schaden könnten, versuchen Eltern so viel an schädlichen Verhaltensweisen zu vermeiden, wie möglich. Sie fokussieren sich sehr auf die Bedürfnisse der Kinder und versagen sich oder ignorieren dabei die eigenen.

Ebenfalls kommt in dem Artikel die Selbst-Verurteilung der eigenen Handlungen zur Sprache, die in den wenigsten Fällen 100% gewaltfrei sind – ja, gar nicht sein können, weil wir alle noch in alten Erziehungsmustern verhaftet sind.

Was Sylvie in ihrem Artikel anspricht, findet bei mir Zustimmung, a) weil ich es selbst so erlebt habe, b) weil viele Menschen, mit denen ich zu tun habe, genau diese Ängste auf die ein oder andere Weise artikulieren, und c) weil auch ich ein Ungleichgewicht in der Hinsicht, den Kindern nicht schaden zu wollen, beobachten kann.

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„Was sollen nur die Leute denken?“ – Über eine zentrale Facette unserer Angst, nicht perfekt zu sein.

„Was ist denn das für ein Benehmen?“
„Du hast dein Kind aber gar nicht im Griff.“
„Das gehört sich aber nicht.“

Kennst du diese Sätze? Hast du sie so oder so ähnlich bereits häufiger gehört, gedacht oder gar selbst gesagt?

In einer kleinen, interessierten Runde diskutierten wir vergangenen Donnerstag über vielfältige Facetten der „Gewaltfreien Beziehungsgestaltung zu Kindern“. In der Diskussion ging es darum, ob und in welchem Ausmaß Gewaltfreiheit mit Kindern lebbar ist. Hierbei stach für mich ein Aspekt besonders hervor: Es war diese uns allen bekannte Angst davor, nicht perfekt zu sein und was die Leute über uns, unsere Kinder und unseren Umgang mit ihnen in der Öffentlichkeit denken mögen.

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Mit dem Herzen hören lernen – die Macht der Empathie

Teil 7 der Blogserie: "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

Herzlich willkommen zum 7. und letzten Teil meiner Blogserie. Heute möchte ich das Thema Empathie in den Vordergrund stellen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass sie eine entscheidende Rolle dabei spielt, wie mir die Gewaltfreie Kommunikation gelingt.

Die eigene Empathiefähigkeit ist ein entscheidendes Puzzleteil, dass es braucht, um eine innige Verbindung zu unseren Lieben herzustellen. Wenn wir diese erreichen wollen, kommen wir gar nicht drum herum, uns in sie einzufühlen. Es fällt mir automatisch wesentlich leichter, meinen Mitmenschen gewaltfrei zu begegnen, wenn ich eine emotionale Verbindung zu ihren Gefühlen und Bedürfnissen herstellen kann.

Aber was genau ist Empathie eigentlich?

Was ich so höre und lese zu diesem Begriff, veranlasste mich, mich mit der Definition von Empathie ein bisschen intensiver zu beschäftigen. Ich bin erstaunt, wie viele Missverständnisse, aber auch unterschiedliche Ansätze es zu diesem Begriff gibt. Ich gebe euch hier mal eine kleine Kostprobe davon:

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Die Entdeckung der Freiwilligkeit – oder wie sich meine Familie ihre Bedürfnisse erfüllt

Teil 6 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

Der heutige Artikel widmet sich dem 4. Schritt im Modell der Gewaltfreien Kommunikation. Das ist klassischerweise das Bitten um die Erfüllung unserer Bedürfnisse. Hierfür hat die GFK ein paar „Regeln“ aufgestellt. Wenn wir diese befolgen, erhöht sich zumindest die Chance, dass Andere gerne bereit sind, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

Folgende Aspekte können wir dafür beachten:

Wenn wir den Sinn hinter einer Bitte erkennen, steigert dies häufig unsere Bereitschaft, dieser nachzukommen. Sinn erzeugen wir dann, wenn wir dem Anderen eine Mitteilung über unsere Situation, Gefühle und Bedürfnisse machen:

„Ich bin total müde und brauche ein wenig Unterstützung. Würdest du bitte den Abwasch machen, während ich die Wäsche zusammenlege? Beides schaffe ich heute nicht mehr, dafür bin ich zu kaputt.“

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Liebster Blog Award

Ein was? Es gibt einen Liebster Blog Award! Den kannte ich bis vorletzten Sonntag noch gar nicht und dachte zuerst "Huch, was ist das denn?". Beim Durchlesen des Leitfadens fand ich es aber ganz witzig, weil es ein bisschen den Charakter der Kettenbriefe von früher hat (wer kennt die noch?). Da mir die Idee gefällt, dass sich Blogger untereinander besser kennen lernen und vernetzten, nehme ich meine Nominierung dankend auf und schreibe heute meinen Blogpost dazu.

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Die bezaubernde Wirkung eines bedürfnisorientierten Familienlebens

Teil 5 der Blogserie „Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben“

Meine Blogserie schreitet voran und heute ist die 3. Ebene des Modells der Gewaltfreien Kommunikation dran. Klassischerweise geht es hier um unsere Bedürfnisse und da ich den Fokus auf der Gestaltung von gewaltfreien Familienbeziehungen gelegt habe, möchte ich mich heute dem Thema bedürfnisorientiertes Familienleben widmen.

Wie ich bereits im 2. Teil der Serie beschrieben habe, geht es uns in unserem Leben darum, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Es macht absolut Sinn, das eigene Leben bewusst nach den eigenen Bedürfnissen auszurichten, weil wir dadurch Leichtigkeit, Leidenschaft und Glück in unser Leben holen.

Wenn wir eine Familie gründen, erfüllen wir uns damit ebenfalls lediglich Bedürfnisse. Wir bereichern unser Leben dadurch wahrscheinlich mit Liebe, Nähe, Zugehörigkeit, Sinn, Freude, etc. Read more

Der Wert von Gefühlen für unsere Beziehungsgestaltung

Teil 4 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

Herzlich willkommen zum vierten Teil meiner Blogserie! Es soll heute um die zweite Komponente des 4-Schritte Modells der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg gehen: Die Ebene der Gefühle. Ich muss zugeben, dass mir dieses Thema ein wenig Unbehagen bereitet. Gefühle zu besprechen eröffnet ein „weites Feld“ und die Gefahr, sich darin zu verzetteln ist groß.

Ich möchte gerne Klarheit über die Bedeutung der Gefühle in unseren Beziehungen schaffen, ohne dich als Leser zu verunsichern oder die allgemeine Angst, die mit diesem Thema einher geht noch zu verstärken.

Vielleicht ist es sinnvoll, damit zu beginnen, welche Funktion unsere Gefühle haben: Sie sind einfach gesagt, die Signallampen für unsere Bedürfnisse. Sie vermitteln uns, ob unsere Bedürfnisse befriedigt sind (Zufriedenheit, Wohlsein, positive Gefühle) oder ob wir etwas brauchen (Unbehagen, Unwohlsein, negative Gefühle).

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von Gedanken, die unser (Familien)Leben erschweren

Teil 3 der Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben"

„Willst du recht haben oder glücklich sein? Beides geht nicht.“ Marshall B. Rosenberg

Mit diesem Zitat möchte ich gern den dritten Teil meiner Blogserie einleiten. In diesem Artikel wird es ein bisschen technisch, weil ich ab jetzt nahe am 4-Schritte-Modell der Gewaltfreien Kommunikation argumentieren werde. Ich begebe mich heute in den ersten Bereich des Modells: Die gedankliche Ebene, die sozusagen auch der Ausgangspunkt für eine gewaltfreie Kommunikation ist.

Als ich mich auf den Weg der Gewaltfreien Kommunikation begab, stellte ich sehr schnell fest, dass meine Art zu denken ein grundlegendes Hindernis in meiner Kommunikation und Beziehungsgestaltung war und z.T. immer noch ist.

Wie können Gedanken ein Hindernis sein?

Nun, ich, du und wir alle denken die ganze Zeit, ununterbrochen. Da ist ein regelrechtes Grundrauschen in unserem Kopf, das wir häufig nicht einmal bemerken. Erst, wenn wir zur Ruhe kommen wollen, z.B. wenn wir abends schlafen gehen oder bewusst einmal nicht denken wollen, bemerken wir dieses Gedanken-Karussell. Noch deutlicher werden uns diese Gedanken, wenn wir uns einmal bewusst zur Meditation hinsetzen. Es fällt Ungeübten sehr schwer, sich auch nur eine Minute lang auf die Beobachtung des eigenen Atems zu konzentrieren und nicht gleich wieder mit den Gedanken abzuschweifen.

Seitdem ich täglich einige Minuten meditiere ist mir deutlich bewusst geworden, dass ein großer Teil meiner Gedankenprozesse das "Beurteilen" meiner eigenen Handlungen und Erfahrungen, sowie das anderer Menschen und auch Situationen beinhaltet. Ich ordne meine Erlebnisse und Erfahrungen unentwegt in irgendwelche Schubladen ein. Wenn ich dabei nicht aufpasse, fälle ich nicht nur meine Urteile, sondern halte das dann auch noch für die Wahrheit.

Das hat mitunter fatale Folgen, weil ich meine Kommunikation dann entsprechend dieser Urteile ausrichte. Was dabei passiert ist, dass ich mich von meinen Mitmenschen entfremde und nicht selten in Streit und Konflikte gerate. Dann bin ich schon mittendrin in einem Prozess, der mich anfällig für Gewalt jeder Art macht.

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