Eine neue Dimension von Liebe

Seitdem ich Mutter geworden bin, erfahre ich täglich wahrhaftig eine neue Dimension von Liebe. Bereits kurz nach der Geburt meines Sohnes schäumte ich quasi über vor Glück und bin seither dauerverliebt in meinen kleinen Sohn. 

Anlässlich des 2. Geburtstages meines Söhnchens, blicke ich zurück auf 2 Jahre "Mama sein" und werde mir einmal mehr bewusst, dass die Liebe zu meinem Kind mit nichts vergleichbar ist, was ich zuvor in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen erlebt habe. Es fühlt sich an, als wäre mein Herz gewachsen, als sei es einfach durch die Geburt dieses Kindes um seine doppelte Größe angewachsen. 

Damit geht aber auch einher, dass ich inzwischen Ängste und Sorgen ausstehe, die ich früher nie kannte. Na und was natürlich auch angewachsen ist, ist das Stresslevel. Es ist, als hätte das Mutter sein mein Leben in alle Richtungen mit "Mehr" angereichert: mehr Liebe, mehr Chaos, mehr Lachen, mehr Verantwortung, mehr Stress, mehr Gefühle, mehr Bedürfnisse, ... 

Es ist kurz gesagt, die ganze Fülle des Lebens!

Im Alltag geht der Blick für die Liebe zum eigenen Kind aber manchmal flöten. Das liegt einfach an dieser Alltagskatastrophe, die ein Leben mit Kleinkind darstellt. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ein so kleines Kind mein Leben so intensiv auf den Kopf stellen kann. Ich bin eigentlich jeden Tag in der Situation, dass mich mein Söhnchen mit irgendetwas konfrontiert, an dem ich wachsen darf (das ist inzwischen meine Perspektive zu "schwierigen Verhaltensweisen"). Es gibt natürlich auch Tage, an denen es flutscht, an denen ich darin baden kann, einen so großartigen kleinen Sohn zu haben. Das ist aber eher die Ausnahme. Mehrheitlich verlaufen die Tage so, dass kein Plan aufgeht, dass spontaner und kreativer Umgang mit der Situation gefordert ist und dass garantiert keine Rücksicht auf meine eigenen Befindlichkeiten genommen wird. Das sind die Tage, an denen ich sehr häufig gestresst bin. 

Stressbewältigung durch Liebe

Ein für mich inzwischen guter Weg, um mit diesem Alltagschaos umzugehen ist die Verbindung mit der Liebe zu meinem Kind. Auch in den Situationen, in denen er etwas tut, dass ich gar nicht möchte (hauen, trödeln, hinwerfen, schreien, ...) oder an denen ich bedingt durch spontanen Totalausfall (Fieber, Sturz von irgendwo runter, Tagesmutter krank, ...) gezwungen bin, all meine Tagespläne komplett über den Haufen zu werfen und alles ganz neu zu denken. 

Wie findet man den den Zugang zur Liebe zum eigenen Kind, wenn es gerade haut, obwohl man schon mehrfach gesagt hat, das man dies nicht möchte?

Ich habe gelernt, einen Unterschied zu machen, zwischen dem, was mein Kind tut und was ich dazu empfinde und zwischen dem, was ich grundlegend für mein Kind empfinde. Grundsätzlich liebe ich mein Kind. Immer. Bedingungslos. Das bedeutet aber nicht, dass ich es cool finden muss, wenn er mich haut. 

Apropos: Das Thema "hauen" ist bei meinem Sohn gerade sehr groß. Er haut quasi ständig, wenn ihm irgendetwas nicht gefällt. Ich habe dazu einmal ein bisschen geforscht. Wer mehr dazu wissen will, findet hier einen wirklich aufschlussreichen Artikel, der auch mit den Ansichten über "Erziehung", die ich favorisiere, übereinstimmt. 

Wenn mein Sohn also Verhaltensweisen an den Tag legt, die ich nicht mag, gelingt es mir nur dann wirklich gut, mich in ihn hinein zu versetzen, wenn ich mir vorher klar mache: "Ich liebe mein Kind. Bedingungslos." Es hilft auch, 2-3 tiefe Atemzüge zu nehmen, bevor ich "reagiere". Indem ich mich mit dieser tiefen Liebe zu meinem Kind verbinde, bin ich offen und gewillt, seine "guten Gründe" für sein Verhalten zu sehen. 

bubbles boy

 Ein Perspektivwechsel, der sich immer lohnt

Um nochmal auf das Beispiel hauen zurück zu kommen: Mit 2 Jahren fällt es einem Kind einfach noch super schwer seine Gefühle zu sortieren, von kontrollieren ganz zu schweigen. Das bedeutet auf einer rationalen Ebene: Es ist normal, wenn das Kind emotional ausflippt, es zeigt mir sogar, dass mein Sohn sich traut, er selbst zu sein (das kann man als großes Kompliment auffassen). Aber natürlich nutzt dieses Wissen in der Live-Situation meinen Nerven wenig.

Was aber hilft, ist die bewusste Verbindung mit dem Kind und seinen Bedürfnissen. Das geht am direktesten, ich wiederhole nochmal: indem man sich klar macht, wie sehr man sein Kind liebt. Es öffnet den Herzraum und macht empfänglich für die Ursachen, die hinter dem "schwierigen Verhalten" liegen. Ich handele in solchen Situationen auf Basis dieser Öffnung intuitiv und hole mein Kind da ab, wo es steht, nämlich in einem massiven Gefühlschaos, dass es nicht von allein sortiert bekommt. Ich bin in der Lage, es in den Arm zu nehmen, obwohl bei einem hauenden Kind bei vielen sicher der erste Impuls ist, es von sich weg zu schieben. 

Unsere Liebe zu unserem Kind ist der beste Berater den wir haben können. Sie zeigt uns den Weg aus einer mitfühlenden Haltung heraus. Und immer dann, wenn ich diese Verbindung nutze, heilt auch in mir selbst ein kleiner Teil. 

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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