Blogserie: Wie können gewaltfreie Beziehungen in der Familie gelingen?

Auftakt: Warum ich Gewalt ablehne...

Heute geht es los! Ich starte meine Blogserie "Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben".

Ich habe mich entschieden, mein Herzensthema liebevolles und gewaltfreies Familienleben einmal in Serienform anzugehen, weil ich es mag, im Zusammenhang zu denken und mich einzufühlen. Wenn ich mich mit Gewaltfreiheit in meinen Beziehungen beschäftige, gerade mit dem Fokus auf meinem Familienleben, dann spüre ich, dass dieses Thema eine immense Tiefe, mit fast schon therapeutischer Wirkung, für mich hat.

Mit dieser Serie möchte ich die von Rosenberg entwickelten Schritte der Gewaltfreien Kommunikation im Kontext des Familienlebens reflektieren und diese auch im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse der Hirn- und Entwicklungsforschung betrachten. Aber keine Angst, die Artikel werden trotzdem immer mit Beispielen aus dem echten Leben angereichert sein.

Bei all dem geht es mir auch um meine eigene Entwicklung, um die Begegnung mit dem eigenen inneren Kind, um die Gewalt, die ich selbst erfahren habe und um die die ich selbst ausübe. Es geht mir um mehr Echtheit und um die Beschreibung oder das Erlebbarmachen der tiefen innigen Verbindungen, die mich und meine Familienmitglieder tragen.

Zum Auftakt möchte ich zunächst meine eigene Motivation abklären. Warum lehne ich Gewalt ab und was verstehe ich eigentlich alles unter Gewalt?

Um diese Fragen klären zu können, muss ich zunächst in meine eigene Kindheit zurück blicken, denn die Ablehnung von Gewalt kommt aus meinen Kindheitserfahrungen. Und sie nährt sich daraus, dass ich nicht der Meinung bin, dass mir bestimmte Gewalttaten "nicht geschadet hätten". Im Gegenteil, ich habe bis heute damit zu kämpfen und erlebe immer wieder, wie vielseitig ich beeinträchtigt bin von diesen persönlichen Gewalterfahrungen. Es hat mich viel Selbstreflexion gekostet, um aus einer destruktiven Schuld- und Minderwertigkeitsmühle heraus zu kommen und ich vermute, dass da noch einige Reste im Verborgenen schlummern.

In meiner Familie war Gewalt ein großes Thema. Die offensichtliche, physische Gewalt war präsent, weil meine Eltern, die Ansicht vertraten, dass zur "guten Erziehung" auch Schläge gehören. Dementsprechend sind meine Geschwister und ich geschlagen worden. Aber auch emotionale Gewalt war an der Tagesordnung.

Ich habe mich, um das alles besser verstehen zu können mit der Geschichte meiner Familie beschäftigt und herausgefunden, dass "Kinder züchtigen" wirklich eine lange Tradition in meiner Familie hat. Bei meinen Verwandten herrscht dieses Bild ungebrochen bis heute vor und ich habe erfahren, dass es zu Zeiten, als meine Eltern Kinder waren, noch gewaltsamer zuging.

Mit Blick auf diese Umstände, kann ich auch verstehen, dass emotionale und psychische Gewalt als solche nicht erkannt und entsprechend unreflektiert ausgeübt wurden. Meine Eltern hatten mitunter genug damit zu tun, die physische Gewalt zu „verdauen“.

Dass ich das so nüchtern beschreiben kann, hat überwiegend damit zu tun, dass ich viele Jahre intensiv darüber reflektiert habe. In der Philosophie der Gewaltfreien Kommunikation, der ich vor fast fünf Jahren begegnete, fand ich eine für mich sehr heilsame Herangehensweise an dieses Thema. Heute kann ich die Gewalterfahrungen aus meiner Kindheit im Lichte der Überforderung sehen, der meine Eltern mit 4 Kindern nicht gewachsen waren. Denn letztendlich ist jede Art von Gewalt ein Ausdruck von immenser innerer Not!

Ich will die Handlungen meiner Eltern weder rechtfertigen noch entschuldigen, aber ich habe viele Jahre nach einem Weg gesucht mit diesen Geschichten umzugehen, weil ich meine Eltern auch nicht einfach hassen konnte. Da blieb eigentlich nur der Weg des Verstehens, um Klarheit darüber zu bekommen, warum meine Eltern so gehandelt haben.

Im Laufe dieses Prozesses habe ich erkannt, dass neben der Überforderung und Erschöpfung meiner Eltern zwei weiterer Aspekte zu diesen Gewalthandlungen führten:

1. Der Mangel an Kontakt zu sich selbst - sie wussten nichts vom Konzept der Selbstempathie!

2. Der Mangel an Handlungsalternativen zum Schlagen.

Die für mich logische Schlussfolgerung daraus ist, dass ich in Situationen in denen ich selbst überfordert bin, alles daran setze, bei mir und meinem Schmerz zu bleiben, anstatt ihn wild zu entladen. Daraus habe ich regelrecht eine Mission gemacht:

Ich bin will mich aus diesem Gewaltkorsett befreien - den Automatismen meiner erlernten Handlungsmuster nicht einfach ausgeliefert sein und Schritt für Schritt die gewaltsamen Muster ablegen- Ich will mich immer mehr zu dem Menschen hin entwickeln, der ich sein will.

Ich lehne physische und emotionale Gewalt auch deshalb ab, weil sie letztlich nichts hervorruft außer Leid, Schmerz, Hass und neue Gewalt. Da ist einfach überhaupt kein "Lernprozess" zu verzeichnen bei Kindern, die mit Schlägen oder Schimpfe bestraft werden! Herabwürdigungen und Beleidigungen, die eine Ohrfeige häufig noch begleiten, wie z.B. „Damit zu es lernst!“ sind völlig unproduktiv und verursachen viel Schmerz im Kind (mehr noch als die Ohrfeige). Die Hirnforschung weiß inzwischen, das solche Strafen das Lernen sogar behindern!

Dazu folgendes Beispiel:
Ein kleines Kind rennt und fällt hin - wenn es jetzt ausgeschimpft wird:

„Man ey, kannst du nicht aufpassen, immer musst du so schnell rennen und jetzt siehst du ja, was du davon hast!“

Das Kind versucht zunächst die drohende Gefahr durch die Aggression des Erwachsenen einzuordnen: Wo kommt das her? Wie gefährlich ist das? Wie kann ich mich schützen? Der Lerneffekt, den der Sturz ohnehin gehabt hätte: „Aha, wenn ich zu schnell laufe, dann falle ich.“ wird damit ausgeblendet - findet quasi nicht statt. Somit hat das Schimpfen diesen Prozess erfolgreich unterbunden!

Mal abgesehen vom unterbrochenen Lernprozess hat das Ganze auch eine emotionale Komponente. Ich bin nicht zu überzeugen von Sprüchen wie "Ach, ich habe früher auch hin und wieder eine Ohrfeige oder einen Schlag auf den Hintern von meinen Eltern bekommen, das hat mir nicht geschadet." Das ist meiner Meinung nach gelogen!

Ich finde jeder Schlag, den man erfährt tut mehrfach weh. Zunächst ist da der physische Schmerz, den ich im Moment der Ohrfeige erlebe, aber der ist gar nicht mal das Schlimmste. Der Schmerz, der mit dem Vertrauensverlustes gegenüber der Person, die mich geschlagen hat einher geht, ist wesentlich größer.

Ich weiß nicht, ob mein Vater wirklich gewollt hat, dass ich meine Kindheit und die halbe Teenager-Zeit in Angst vor ihm verbracht habe. Ich lebte in konstanter Angst vor seinen Reaktionen darauf, wenn er dieses oder jenes vermeintliche „Fehlverhalten“ meinerseits herausfindet. Er hat letztlich einen hohen Preis für die Schläge und andere Formen der Gewalt bezahlt, denn ich habe nach der Trennung meiner Eltern (im Jahr 1996) viele Jahre keinen Kontakt zu ihm haben wollen. Er war an für mich wichtigen Lebensereignissen nicht zugegen: weder als ich Schule und Uni abschloss, noch war er zu meiner Hochzeit eingeladen, noch hat er an diesen kleinen Momenten teilgenommen, die das Leben ausmachen. Wir haben keinen Urlaub zusammen verbracht oder einfach "unbeschwerte" Unterhaltungen geführt. Ich wollte nichts mit ihm zu tun haben!

Es hat bis ins Jahr 2012 gebraucht, um eine halbwegs normale Beziehung zu ihm führen zu können, sprich dass ich normal mit ihm reden konnte und nicht das Gefühl hatte, wieder ein kleines Mädchen zu sein. Und bis zu seinem Tod in diesem Jahr, ist es mir nicht gelungen, eine wirklich tiefe emotionale Verbindung zu ihm herzustellen. Da war immer eine innere Wand aus altem Schmerz. Diese Wand errichtete ich, während ich all die Ängste und Verletzungen in meiner Kindheit durchlebte. Und wenn ich mich frage, ob ich es in den letzten Jahren anders hätte haben wollen, dann lautet meine Antwort „Nein“. Ich habe meinen Vater genau so nah an mich heran gelassen, wie ich es konnte. Mehr Nähe hätte ich nicht verkraftet, weil ich ihm nie wirklich vertrauen konnte.

Ein wahrhaft hoher Preis, nicht wahr?

Dieser Kurzabriss meines Verhältnisses zu meinem Vater gibt einen Einblick und ein Erklärung, warum ich Gewalt in allen Formen ablehne und mir meine Hand wohl eher abfällt, bevor ich sie gegen meinen Sohn erhebe!

Alle Ausprägungen an emotionaler (oder auch psychischer) Gewalt haben m.E. nach übrigens die gleiche Wirkung wie physische Gewalt. Sie verursachen Schmerz, Vertrauensverlust und wirken trennend. Das fiese an emotionaler Gewalt ist aber, dass sie wesentlich subtiler ausgeübt wird und der/die Ausübende mitunter gar nicht merkt, was er/sie da tut. Sie ist gut versteckt in unserer täglichen Kommunikation eingewoben und erscheint uns häufig als das was "Rechtens" ist.

Ich bin mir nicht sicher, ob emotionale Gewalt wirklich in der Komplexität ihrer Wirkung schon erfasst wurden. Ich weiß nur, dass ich alle die mir bekannten Formen ablehne. Dazu zähle ich u.a.:

Drohungen / Bestrafungen

"Wenn du nicht tust, was ich will, fahren wir sofort nach hause/ bekommst du kein Eis/ gibt es Hausarrest für dich..."

Bewertungen

"Du bist böse!", "Das hast du falsch gemacht.", "Du bist so undankbar."

Schuldgefühle erzeugen

"Was du da machst, macht mich sehr traurig!", "Ich bin sehr enttäuscht von dir!", "Es verletzt mich, wenn du dein Zimmer nicht in Ordnung hältst!"

Abwertende Vergleiche

"Schau wie deine Schwester das macht, und du?", "Guck mal, das Kind läuft aber prima und du? Du sitzt immer noch im Buggy!"

Ablehnungen

"Nein, wenn du so böse bist, will ich dich nicht haben!"

Verallgemeinerungen

"Immer lässt du alles liegen!", "Nie kann ich in Ruhe telefonieren.", "Jedes mal machst du so ein Theater."

Interpretationen

"Du bist so ungezogen, weil ich dich zu sehr verwöhnt habe.", "Andere Menschen sind dir völlig gleichgültig, du siehst immer nur das, was du willst."

All diese Formen der emotionalen Gewalt bringen beim Gegenüber (und das gilt nicht nur für Kinder) Angst, Schuld, Vertrauensverlust, Widerstand und letztendlich emotionale Trennung hervor. Genau das will ich nicht! Ich will nicht, dass mein Sohn diese Ablehnung mir gegenüber empfindet, die ich meinem Vater gegenüber empfunden habe.

Ich will, dass er mir vertraut, dass er mit seinen Sorgen angstfrei zu mir kommt! Ich will eine konstant liebevolle und authentische Beziehung zu meinem Sohn und meinem Partner. Ich will unbeschwert mit meinen Lieben leben. Ich will meinen Familienalltag genießen, jede Minute, jeden Entwicklungsschritt meines Sohnes, jede Umarmung, jede Unternehmung, jedes Spiel, jede Mahlzeit, ja sogar jeden Streit!

Und da kommt die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) ins Spiel. All das Beschriebene kann ich leben, weil ich weiß, wie ich mit Hilfe der GFK immer eine innige Beziehung zu meinen Lieben herstellen kann, auch wenn wir uns einmal verloren haben. Seitdem ich die GFK kenne, habe ich keine Angst mehr davor, dass die Beziehung zu meinem Kind so endet wie die meinige zu meinem Vater. Das ist für mich ein echter Gewinn an Lebensqualität. Das ist meine Motivation an andere Eltern heran zu treten und ihnen dabei zu helfen, diese liebevolle Beziehung in ihrer Familie herzustellen. Das ist letztendlich auch der Grund für diese Serie.

So, nachdem ich heute wirklich viel und ausführlich auf das "Warum" eingegangen bin, freue ich mich natürlich wie immer über Feedback in Form vom Kommentaren und Mails: mareike@liebevollefamilie.de

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

14 thoughts on “Blogserie: Wie können gewaltfreie Beziehungen in der Familie gelingen?

  1. Liebe Mareike,
    ich finde das Thema auch sehr spannend und deinen Blog sehr schön geschrieben!
    Vieles von dem was ich sagen möchte, haben meine Vorgängerinnen schon getan.
    Ich habe jedoch noch eine Frage zum Thema „Emotionale Gewalt“.
    Ich bin Mutter einer 2,5jährige Tochter. Natürlich macht sie nicht immer das was ich von ihr möchte. Wie bekommst du die Erziehung deines Sohnes (und zur Erziehung zählt für mich nun mal auch, dass gewisse Dinge im Alltag so funktionieren, wie ich mir das vorstelle; z.b. dass man Hände wäscht vor dem Essen, dass man seine Spielsachen wieder aufräumt, … , oder auch einfach auf das hört was Mama oder Papa was sagen, …) hin, wenn du das Androhen/Umsetzen von „Strafen“, das Bewerten (oder auch einfach das Rückspiegeln seines Verhaltens), Ablehnungen (z.b.sage ich meiner Tochter, dass ich sie jetzt im Moment nicht drücken möchte, wenn sie böse war) usw. für dich ablehnst?
    Ich muss dazu sagen, ich finde es auch nicht gut, wenn ich meiner Tochter Strafen androhen muss etc, allerdings fehlen mir die Alternativen dazu! Wenn ich meinem Kind Grenzen setzen möchte und gewisse Dinge (und hier rede ich von ganz normalen Alltagsregeln) einfach in der Spur laufen müssen/sollten, muss ich sie irgendwie „erziehen“. Welche Alternativen wendest du zu den von dir genannten und abgelehnten Methoden der emotionalen Gewalt an? Ich würde mich sehr über Rückmeldung freuen! Meine Tochter hat einen sehr willenstarken Charakter, was ich zum einen sehr gut finde, es aber natürlich im Alltag auch manchmal schwierig macht.
    Denn auch das Schaffen positiver Anreize („Wenn du jetzt schön aufräumst, machen wir heute nachmittag das und das“) ist hin und wieder nur von mäßigem Erfolg gekrönt. 🙂
    Herzlichen Dank und viele liebe Grüße, Denise

    1. Liebe Denise,
      auch dir vielen Dank für deinen Zuspruch für meinen Blog. Es fällt mir ehrlich gesagt sehr schwer, deine Frage „kurz“ zu beantworten, aber ich bemühe mich, auf das einzugehen, was ich gelesen habe: Zuallererst möchte ich deutlich betonen, dass ich keine Erziehungsmethode anwende, sonder mich in der Gestaltung meiner Beziehungen zu meinen Lieben an der Haltung (inneren Einstellung) der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) ausrichte. Ich habe bis heute kein kein Patentrezept oder „Knöpfchen“ an meinem Sohn gefunden, auf dass ich drücken muss, damit er tut, was ich von ihm verlange. Wenn du abrücken möchtest von Drohungen und Bestrafungen, dann kann ich dir nur raten, dich einmal mit deiner persönlichen Haltung zum Thema „Erziehung“ auseinander zu setzen. Wenn du der Meinung bist, dass bestimmte Dinge „so und nicht anders“ laufen müssen/sollten, dann wirst du nie aus dem Hamsterrad der Drohungen und Strafen austreten. Mit dieser „So muss es sein“ Haltung, wird der Blick verengt. Du siehst, was du für richtig hältst und dir geht der Blick für das, worum es deiner Tochter geht verloren. Die GFK ist u.a. eine Aufforderung zum Perspektivwechsel. Sie fordert uns auf, jede Situation neu zu betrachten (auch wenn wir das Gefühl haben, dass das morgendliche Anziehen zum 100. Mal genau so nicht funktioniert). Ein Beispiel dazu aus meinem Alltag: Mein Sohn ist vom Schlafrythmus her eine „Eule“. Er hasst es früh schlafen zu gehen und er hasst es genauso früh aufzustehen. Nun geht mein Mann aber 7.15 Uhr mit ihm aus dem Haus. Ich mag es nicht, ihn früh zu wecken, weil ich weiß, dass er es nicht mag. Dennoch gehe ich es jeden Morgen an, aber ohne Vorwürfe „immer so ein Theater!“ sondern mit viel Zeit, Verständnis und Kreativität. Ich streichel ihn sehr lange und wecke ihn sanft, ich erkenne seinen Widerwillen an „Ja, ich weiß, du magst noch schlafen, du findest es doof, dass ich dich gerade wecke.“ (Er strampelt mich gelegentlich auch weg), aber ich bleibe dran und sage ihm, dass wir arbeiten müssen und dass die Angie (seine Tagesmutter) sich auf ihn freut. Und manchmal, wenn er sich gar nicht wecken lässt und die Zeit knapp wird, dann ziehe ich ihn im Schlaf an. Somit gelingt es uns eigentlich fast immer, mit ihm pünktlich aus dem Haus zu kommen. Wenn sein Widerstand machnmal sehr groß ist (sehr selten, weil er eigentlich wirklich gern zu seiner Angie geht), dann überlege ich mir, dass ich später anfange zu arbeiten (ich kann mir das zum Glück leisten) und bringe ihn 30-60 Minuten später dann selbst zur TM. Das alles geht also gewaltfrei und ohne „Erziehungsmaßnahme“ von statten, indem ich seine Bedürfnisse anerkenne und ohne dass ich ein „Drama“ für mich daraus mache.
      Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen, deine Frage zu beantworten.
      Alles Liebe
      Mareike

  2. Liebe Mareike,
    ich bin beeindruckt von deinem wunderbar geschriebenen Blog, deiner Wortwahl und deiner Offenheit – insbesondere mit deiner Vergangenheit und deiner erfahrenen Gewalt so offen umzugehen – in solch einer nachvollziehbaren Weise. Chapeau! Ich bin ebenso der Meinung, dass man mit seiner Vergangenheit und den Menschen Frieden schließen kann – wenn jedoch die Verletzungen so tief sind, dass kein Kontakt zustande kommt – wie im Falle deines Vaters – finde ich es völlig legitim, sein eigenes Leben zu leben. Nur, weil er dein Erzeuger ist, gibt es ihm nicht die Legitimation, deine Liebe (im Nachhinein) zu erhalten. Jeder Mensch hat immer noch seinen freien Willen, der jenseits von Verurteilung ist.
    Ich freue mich sehr auf deine angekündigte Blogserie und bin gespannt auf die Beispiele, wie man GFK im Alltag anwenden kann.
    Ganz liebe Grüße von Doro aus Berlin

    1. Liebe Doro,
      vielen Dank für deine ermunternden Worte und deinen Zuspruch zu meiner Serie. Ich hoffe, ich werde der Vorschusslorbeeren gerecht 🙂
      Alles Liebe
      Mareike

  3. Liebe Mareike!

    Danke für deine Zeilen. Bin jetzt 47 Jahre. Habe schon irre viel an mir gearbeitet, inneres Kind, Aufstellungen, Therapien, Persönlichkeitsentwicklungen, etc…. Doch immer noch wirken meine schrecklichen Kindheitserfahrungen in mir. Ich denke ganz heilen kann man nicht alles, nur lernen anders mit dem Inneren was hochkommt umzugehen. Toll dein Text und ich bin ganz bei dir und deiner Meinung. Selbst Mutter zu sein, hat mir viel gebracht und natürlich bin ich leider auch keine fehlerfreie Mutter geworden. Ich gebe stets mein mir bestimmt Möglichstes. Auch in meiner Beziehung seit 17 Jahren ging vieles nicht reibungslos von statten und ist geschwärzt von der Vergangenheit. Jedoch haben wir immer weiter daran gearbeitet zusammen zu bleiben und dann die dunklen Zeiten zu überwinden bis heute. Den davon laufen und neu anfangen bringt nichts. Man nimmt sich selbst ja überall hin mit. Viel Kraft weiterhin auch für dich und deine Familie und ich freue mich auf deine Newsserver. Vielen lieben Dank Brigitte aus dem schönen Pinzgauer Land in Österreich Salzburg.

    1. Liebe Brigitte,
      vielen Dank für deine offenen Worte. Ich kann dir sehr gut nachempfinden und habe auch schon vor vielen Jahren aufgehört, davon zu laufen. Du hast recht, die Schatten der Vergangenheit können manchmal sehr lang sein und bis in die Gegenwart strahlen. Es geht wohl weniger darum, in der Gegenwart alles „perfekt“ zu machen als Mutter, sondern an dem zu wachsen, was schief läuft. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle immer genau das uns Beste geben und tun, was uns im jeweiligen Moment zur Verfügung steht. Nur leider haben wir nicht immer ein großes Spektrum an Handlungsspielräumen.
      Ich freue mich in jedem Fall, dass ich mit dieser Serie auf so viel Interesse gestoßen bin und dass ich damit irgendwie ein bisschen beitragen kann.
      Alles Liebe
      Mareike
      Das ist

  4. Liebe Mareike!
    Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr mich das Schildern des Erlebens der Gewalt in Deiner Kindheit berührt hat.
    Aus den gleichen Gründen, die Du schilderst, versuche auch ich überall dort wo es mir möglich ist Sicht auf mich selbst und mein Verhalten zu haben, jegliche Form von Gewalt zu vermeiden.
    Selbst habe ich von der GfK vor etwa zwei Jahren erfahren, dies dann aber trotz Interesse daran, nicht weiter verfolgt. Darum bin ich schon jetzt sehr neugierig, was wir von Deiner Seite noch alles zu lesen bekommen werden!!! 😉
    Für mich als Mann, sind Deinen Gedanken und Erfahrungen, ein überaus wertvolles Geschenk. Denn gerade mir wurde zu der Gewalterfahrung dann noch gleich auch verboten, die eigenen Gefühle, die dabei entstehen, zu fühlen, zumindest musste ich sie in mir verstecken!
    Ich freue mich bereits noch viel von Dir zu lesen!
    Alles Liebe Walter

    1. Liebe Walter,
      dein Feedback freut mich unglaublich. Ich erlebe im Moment, dass tatsächlich viele Männer meinen Blog abonnieren. Vielleicht steht das mit dem von dir Beschriebenen im Zusammenhang. Gefühle zu zeigen und richtig zu deuten ist in der Gesellschaft generell eine unterentwickelte und unterschätzte Fähigkeit, aber Männer hadern damit wohl wirklich noch wesentlich mehr. Ich freue mich, dass ich auch hier vielleicht ein bisschen Beitragen kann – auch weil ich selbst einen Jungen habe und ihm schon einiges an „Gefühlsvokabular“ beibringen konnten. Ich kann dich nur ermutigen, dich weiter mit der GFK zu beschäftigen und ergänzend dazu auch, die Innenschau durch z.B. Meditation zu förern. Ich komme an meine Gefühle viel besser ran, seitdem ich beides praktizieren. Die Meditation hat mich gelehrt, die Gefühle die sich zeigen „einfach so sein zu lassen“. Das kann sehr heilsam sein.
      Alles Liebe
      Mareike

  5. Liebe Mareike,
    ich verfolge deine Blogeinträge nun schon eine ganze Weile und sie sprechen mir zu 100% aus dem Herzen. Viele der Themen sind für mich sehr interessant und in vielen Situationen fühle ich mich ewrtappt, manchmal sogar peinlich berührt, weil ich noch nicht so weit bin, wie ich eigentlich sein möchte in meiner Beziehung zu meinen Lieben.
    Ich bin auf diese Serie sehr gespannt, weil ich unbedingt mehr erfahren möchte über diese viel umworbene Form der gewaltfreien Kommunikation. Ich hoffe so sehr, dass auch ich irgendwann so weit bin in meiner persönlichen Entwicklung, dass ich keine Oh nein, da ist es doch wieder passiert“- Momente mehr habe.
    Danke für deine Offenheit, mit der du von deinen Erfahrungen und Gefühlen berichtest. Sie sind so ungemein bereichernd und geben mir in vielen Fällen das Gefühl, nicht allein zu sein mit meinen Problemen.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      vielen Dank für dein sehr erbauliches Feedback! Ich bin ganz berührt, dass ich andere so berühre, einfach indem ich meine Geschichte erzähle. Ich würde dir gern Mut und Lust machen was die Gewaltfreie Kommunikation betrifft. Sie hat wahrlich mein Leben verändert. Und auch was diese „Oh nein“-Momente betrifft möchte ich dir Mut zusprechen. Die habe ich auch – öfter als mir lieb ist! Es bringt dir nichts, dich für das misslungene zu malträtieren – da gibst du den Stimmen aus deiner Kindheit wieder Kraft. Ich schreibe hier bewusst über die Momente, die mir im Sinne der GFK gelingen, weil es die sind, aus denen ich Energie ziehe und dir mir Kraft geben da weiter zu machen. Letztlich ist es deine Intention die zählt, weil deine Lieben diese spüren.
      Alles Liebe
      Mareike

  6. Liebe Mareike,
    “ für mich die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass ich in Situationen in denen ich selbst überfordert bin, alles daran setze, bei mir und meinem Schmerz zu bleiben, anstatt ihn „wild“ zu entladen. “
    Das finde ich so toll ausgedrückt und so wahnsinnig wichtig!!! Danke!
    Im eigenen Schmerz, und damit im verletzlichen Fühlen zu bleiben, lässt mich auch offen für meine Kinder und ihren Schmerz (den ich Ihnen z B. durch anschreien zufügen würde!) und durch die Tränen ist auch ein Ausgang für die Gefühle offen, die sonst unverarbeitet weiter gären würden.
    Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausgedrückt habe.
    Liebe Grüße
    Wibke

    1. Liebe Wibke,
      danke für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass ich dich erreicht habe und dass wir eine Verbindung herstellen konnten: Denn du hast mich auch erreicht mit deinen erweiternden Gedanken zu den meinen.
      Alles Liebe
      Mareike

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