Neurowissenschaft trifft Gewaltfreie Kommunikation – wie Prof. Dr. Gerald Hüter mich zum zweiten Mal berührte

Ich mag Menschen, die ganzheitlich denken und sich aus ihrem Spezialgebiet oder Fach heraus wagen, um ein System im Ganzen betrachten. Nur solche Perspektiven ermöglichen es uns, die Komplexität von Wirkgefügen und -zusammenhängen zu berücksichtigen.

Solch ein Mensch ist für mich Prof. Dr. Gerald Hüter, den ich vergangene Woche Dienstag zum zweiten Mal live erleben durfte.

Letztes Jahr im November, als er im Rahmen unseres GFK-Tages hier in Erfurt den Eröffnungsvortrag hielt, durfte ich ihn bereit schon einmal treffen. Damals – mitten in einer tiefen Sinnkrise über meine Arbeit mit der Gewaltfreien Kommunikation – war er es, der mich ermutigte, wieder zu arbeiten.

Es berührte mich tief, von ihm zu hören, wie seiner Ansicht nach die Gewaltfreie Kommunikation ein wichtiges Instrument für eine zukunftsfähige Gesellschaft ist. Er hat klar erkannt, dass diese Haltung (und Methode) die Verbundenheit und das Lernen fördert.

Damals schöpfte ich ganz zaghaft wieder Hoffnung, konnte den Sinn in dieser Arbeit wieder sehen, auch wenn mein persönlicher Verlust noch schmerzhaft in mir nachhallte.

An diesem Abend letzte Woche gelang es ihm erneut. Ich bin wieder sehr inspiriert und motiviert, die Notwendigkeit einer wohlwollenden und wertschätzenden Haltung unseren Kindern und allen Menschen gegenüber zu vermitteln. Denn das ist es, was sich hinter dem sperrigen Begriff der Gewaltfreien Kommunikation befindet.

So durfte ich in Gotha live dabei sein, als er zusammen mit dem Cellisten Mathias Hübner durch den Abend zum Thema „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ führte.

Er sprach davon, wie Kinder durch Emotionen lernen. Er brachte das Beispiel, wie das Kind durch die Emotionen der Mutter das Wort Apfel lernt und wie stark unser Lernen generell von einer wohlwollenden und von Geborgenheit geprägten Umgebung abhängen. In diesem Moment bin ich stark in Resonanz gegangen. Ich habe innerlich wie wild genickt und hätte ihm um den Hals fallen können.

Aber am meisten beeindruckte mich seine Ausführung über die „Wiederherstellung“ von Kohärenz (Harmonie und Ruhe im Hirn). Er erklärte, dass es, um glücklich oder zumindest im Frieden zu sein ,ein so genanntes Kohärenz-Gefühl gibt. Das ist das Bewusstsein, dass, egal was kommt, ich in der Lage bin, meine Probleme und Krisen zu bewältigen. Er beschreibt damit eine innere, tiefsitzende Zuversicht, dass mich einfach nichts umhauen kann.

Ich verstand, dass uns dies nur gelingt, wenn wir zusammenarbeiten, in Gemeinschaft sind und miteinander liebe- und würdevoll umgehen.

Da verschmolz für mich endgültig der Stand seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation. Marshall B. Rosenberg hat es zwar anders ausgedrückt, aber er meinte meiner Meinung nach etwas Ähnliches, als er sagte:

„Was ich in meinem Leben will, ist Einfühlsamkeit. Ein Fluss zwischen mir und anderen, der auf gegenseitigem Geben von Herzen beruht.“

Denn wenn wir einfühlsam verbunden sind, dann kommen wir nicht dazu, den anderen zum Objekt zu machen. Dann sind wir in der Lage, den Schmerz unserer Kinder wahr zu nehmen, ihnen nachsichtig, milde und mitfühlend zu begegnen und ihre Anliegen ernst zu nehmen. Dann sind wir in unserer Kraft. Wir brauchen wir auch keine Angst mehr zu haben, dass wir kleine Tyrannen heranzüchten, uns jemand auf dem Kopf rum turnt oder wir „an Macht verlieren“. Tragen wir dieses Selbstverständnis, diese Selbstermutigung und dieses Selbstvertrauen in uns, brauchen wir keine Macht als Druckmittel. Dann geben und nehmen wir natürlich, und sind im Frieden mit unserer Umwelt.

Das habe ich gestern nochmal deutlich begriffen. Ich bade in dem Gefühl der Kohärenz (um mit Hüters Worten zu sprechen), dem Bewusstsein, dass ich dank meiner GFK-Kenntnisse keine Angst vor Konflikten haben muss oder irgendeiner anderen Krise. Denn diese kann ich alle bewältigen, wenn ich die Grundideen und Prinzipien der GFK beherzige.

Ich möchte diesen Artikel gern nutzen, um mich herzlich bei Prof. Dr. Gerald Hüter zu bedanken. Danke, dass Sie mich berührt haben und mir in einer für mich dunklen Zeit viel Mut gemacht haben!

Alles Liebe

Mareike

 

 

 

 

 

About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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