3 befreiende Fakten über negative Gefühle wie Wut und Trauer

Schwierige Situationen gehen oft mit vielen negativen Gefühlen einher. Ich erlebe dies gerade sehr intensiv, denn die Trauerarbeit nach einem Todesfall im engsten Familienkreis ist der Extremfall einer "schwierigen Situation". Ich sehe mich gerade täglich mit einer Vielzahl negativer Gefühle konfrontiert. Das Repertoire reicht dabei von Schmerz, Trauer, Niedergeschlagenheit über Wut bis hin zu Schuldgefühlen. Da ich zu den Menschen gehöre, die nicht gerne leiden, habe ich, anstatt mich in einer Ecke zusammen zu rollen und weiter zu leiden, mich aktiv mit diesem ganzen Gefühlschaos auseinander gesetzt. Dabei kamen mir ein paar erhellende Einsichten, die mir sehr helfen und mich so langsam wieder auftauchen lassen aus dieser emotional sehr dunklen Phase.

1 - Wut und Schuldgefühle entstehen durch abwertende oder vorwurfsvolle Gedanken

Seit ich vom Tod meines Vaters erfuhr, haderte ich mit dem Umstand, dass er so plötzlich an einem Herzinfarkt verstarb und ich als seine Tochter weder von Herzproblemen wusste noch dass er angerufen hat, als es ihm schlecht ging. Ich trug mich mit vorwurfsvollen Gedanken, dass ich ja auch häufiger hätte anrufen können, mich vielleicht zu wenig für seine Gesundheit interessiert habe, etc. Die Triade an Vorwürfen, die ich mir selbst gegenüber artikulierte, könnt ihr euch vielleicht lebhaft vorstellen.

Da ich zum Glück auch während dieser Trauerphase weiter meditiere, nutzte ich diese Zeit dafür, meine Gedankengängen zu beobachten. Mir fiel auf, dass aus den genannten Gedankengängen noch andere Gefühle entstanden, wie z.B. Ratlosigkeit, Trauer und Ohnmacht. Diese schmerzhaften Gefühle wurden ziemlich unerträglich, weshalb ich mich entschloss, sie zu kommunizieren und einen Weg zu finden, sinnvoll mit ihnen umzugehen.

2 - Unseren Gefühlen liegen Bedürfnisse zugrunde

Ich erinnerte mich an einen Grundsatz der Gewaltfreien Kommunikation, der mir in dieser Situation sehr half: Weit verbreitet ist die Annahme, dass andere Menschen oder Situationen uns Gefühle machen könnten. Damit geben wir die Macht und die Verantwortung für unsere Gefühle und Bedürfnisse ab und verlieren die Verbindung zu unseren Bedürfnissen.

Meiner Erfahrung mit Achtsamkeit sei dank, konnte ich die gedankliche Negativspirale erkennen und mir bewusst machen, dass meine Betrachtungen wirklich genau in diese Ohnmacht oder Machtlosigkeit führten. Um dies zu unterbinden, fühlte ich mich in meine Bedürfnisse, die sich hinter diesen negativen Gefühlen verbargen, ein. Dabei wurde mir z.B. mein Bedürfnis nach Fürsorge besonders deutlich. Ich wollte mich um meinen Vater kümmern, als es ihm schlecht ging. Diesem Bedürfnis konnte ich aber nicht nachkommen, da ich keine Kenntnis von seinem Zustand hatte. Dieses unerfüllte Bedürfnis rief letztlich enorme Schuldgefühle in mir wach. Der einzige Weg, wie ich dieses Bedürfnis im Nachhinein noch befriedigen konnte, war, mich mit Hingabe der Organisation der Beerdigung zu kümmern. Das tat ich auch.

Ein weiteres Bedürfnis, dass ich in diesem Zusammenhang erkannte, war Unterstützung bei der Verarbeitung meiner Trauer. Ich versuche seither der Trauer Raum zu geben, ohne mich in ihr zu verlieren. Gespräche mit meinen Verwandten und Angehörigen sind dabei z.B. sehr hilfreich.

3 - Die Verantwortung für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu übernehmen führt zu neuer Kraft

Der griechische Philosoph Epictetus sagte dazu: "Nicht die Tatsachen selbst machen das Leben schwer, sondern unsere Bewertung der Tatsachen."

Ich empfinde es als tiefen emotionalen Einschnitt ein Elternteil zu verlieren, weil meine Eltern seit meiner Geburt für die Befriedigung meiner grundlegendsten Bedürfnisse sorge getragen haben. Sie symbolisieren für mich somit ein "erfüllt und befriedigt sein". Dabei ist es gar nicht so wichtig, dass mein Vater z.B. in meinem Erwachsenenleben gar nicht mehr viel für die Befriedigung meiner Bedürfnisse getan hat. Diese aus Kindheitstagen eingebrannte Sicherheit, die mit der Vaterfigur einher geht, ist plötzlich weg. Sie kann auch nicht eben ersetzt werden, einen Vater hat man nur einmal. Nur so, wie er ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Das innere Hadern im Nachgang spielt sich meiner Meinung nach überwiegend im Angesicht all der Bedürfnisse ab, die er erfüllen konnte und all derer, die er nicht erfüllen konnte (Ein Bedauern, Hadern und Grämen mit und über bestimmte Situationen, die nicht zu unserer Zufriedenheit gelaufen sind, sind eindeutige Symptome für Letzteres).

Aber da Bedürfnisse nun einmal auch nur Bedürfnisse sind, ist es wohl ein Schritt mehr zum Erwachsen werden hin, zu erkennen, dass ihre Erfüllung nicht zwingend an bestimmte Menschen und Situationen gebunden ist. D.h. das Gefühl der Schutzlosigkeit nach dem Verlust eines Elternteils ist nicht zwangsweise von Dauer. Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf die Fülle richte, die sich in meinem Leben offenbart, in Form meiner eigenen kleinen Familie, meiner Freunde und meiner wieder gefundenen Familienmitglieder, bin ich voller Dankbarkeit. Dann ist die Talsohle durchschritten und neue Kraft für den nächsten Aufstieg vorhanden.

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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