3 wichtige Erkenntnisse, über das „schwierige“ Verhalten meines Kindes

 

schwieriges Verhalten von Kindern

 

Kennt ihr das? Ihr geht einkaufen mit eurem Kind. Es entdeckt irgendwo im Regal etwas Süßes und möchte dies unbedingt haben. Ihr wisst aber um die ohnehin überfüllte Süßigkeitenschale zu hause und verweigert ihm diesen Wunsch.

Der Auftakt des Dramas ist getan!

Das Kind beginnt zu quengeln, steigert sich in ein Weinen hinein und wirft sich zu guter Letzt auf den Boden und brüllt! Alles dreht sich zu dir und deinem tobenden Kind um, du kannst die abfälligen Gedanken der Zeugen förmlich sehen, bist selbst gestresst und kurz davor zu platzen oder zumindest total genervt, weil es eine Weile dauern wird, bis du die Situation wieder unter Kontrolle hast.

Diese und ähnliche Szenen kann man auch anderes angehen, man kann in 3 einfachen Schritten die Perspektive wechseln und das Drama deutlich entschärfen. Wie also?

 

1. Sich bewusst werden, welche Beziehung man zu seinem Kind haben möchte und wo die Hürden im Alltag liegen:

Was mir als Mutter wirklich wichtig ist, ist eine Beziehung mit meinem Kind, die geprägt ist von Liebe, Wärme, inniger Verbindung, Verständnis, Wertschätzung, Respekt, Freiheit, Spaß, etc. Das klingt super, nicht wahr? Ich bin mir sicher, dass es allen Eltern genau so oder zumindest ähnlich ergeht. Wir alle wünschen uns Beziehungen, die geprägt sind von dem, was wir uns selbst am meisten wünschen.

Aber wie sieht es im Alltag aus?

Geprägt von gesellschaftlichen Normen und Werten bemühen wir uns stattdessen, unsere Kinder dazu zu erziehen, zu tun, was wir wollen. Oder anders ausgedrückt, wir wollen, dass sie tun, was wir denken, was richtig ist! Kleine Kinder, die mit 2 bis 3 Jahren in den Kindergarten kommen, müssen plötzlich so viel können:

  • sauber mit Besteck essen
  • sich regelmäßig die Zähne putzen
  • viel Obst und Gemüse essen
  • die Schuhe richtig herum anziehen
  • anständig am Tisch sitzen
  • den Erwachsenen nicht ins Wort oder Telefonat fallen
  • schön artig sein
  • ....

Ich könnte diese Liste jetzt unendlich fortsetzen, denn die individuellen Ansprüche an unsere Kinder sind unendlich. Hinter all dem verbirgt sich oft der Wunsch, dass unser Kind es leichter hat im Umgang mit anderen. Wir wollen es vor Spott schützen und ihm eine Orientierung geben. 

 

2. Erkennen, was hinter dem "schwiergen Verhalten" steckt

Aber was oft passiert, ist dass das Kind einen Trotz- oder Wutanfall bekommt, wenn wir es im Winter warm anziehen wollen, ihm Gemüse statt Süßigkeiten anbieten oder beim Anziehen der Schuhe nachhelfen wollen. Es sieht und erkennt unser Wohlwollen dahinter nicht (Das wäre auch eine sehr komplexe Leistung für ein 2-3 jähriges Kind!). Vielmehr kollidieren unsere Bemühungen häufig mit den eigenen Bedürfnissen unseres Kindes. Schnell fasst ein Kind, dem Autonomie und Selbstbestimmung auch in diesem Alter schon wichtig sind ("Ich kann das alleine!") unser Verhalten als ein "über sie bestimmen wollen" auf.  Es möchten häufig lieber selbst entscheiden, weil es ja schon soooo groß ist. Die große Hürde für eine gute Verbindung zum Kind ist in diesem Alter leider die Sprache, da sich so kleine Kinder oft noch nicht verständlich ausdrücken können. Das führt bei ihnen zu Gefühlen von Frust, Ohnmacht, Hilflosigkeit und letztlich auch Wut (darüber, dass man nicht verstanden wird).

Die vom Kind gewählten Verhaltensweisen, um diesen Gefühlen Ausdruck zu geben, werden von uns Eltern gern auch als "bocken", "trotzen", "zicken" oder "provozieren" bezeichnet. Wir reagieren dann regelmäßig mit Gegendruck und das Kind bekommt viel (oftmals Schimpfe und Bestrafung), aber selten das, was es am meisten braucht: Verständnis!

Was also macht mein kleiner Sohn, wenn ich ihm die Gummibären verwehre und stattdessen einen Apfel anbiete? Er macht das Schönste und Beste, das ihm gerade einfällt: Er beginnt zu quengeln und zu heulen und steigert sich richtig rein.

Und was ist daran jetzt Schön oder Toll?

Nichts! Es ist aber oft der einzige Weg oder die einzige Strategie, die mein Sohn kennt, ihm steht nichts anderes zur Verfügung, um das zu bekommen, was er möchte (dafür ist er eben erst knapp 23 Monate alt!!!!).

Früher hätte mich ein solches Verhalten sehr wahrscheinlich auf die Palme gebracht und ich hätte vermutlich mit Bestrafung oder Ablehnung reagiert. Heute weiß ich, dank meines Verständnisses der Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation, dass er sich weder gezielt so verhält, noch bewusst und schon gar nicht um zu provozieren. Es ist das einzige Mittel, das ihm zur Verfügung steht, die einzige Hoffnung, die er hat um zu bekommen, was er möchte. Und er steigert sich hinein, weil er hofft, durch dieses Tun  Erfolg zu haben.

 

 

3. Verstanden werden - oder wie ich diesen Kreislauf durchbreche

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass das Verhalten des Kindes nicht "gegen uns" gerichtet ist, sondern, dass es sich stark für seine Bedürfnisse einsetzt. Alles Verhalten (auch unser eigenes) ist stark an der Erfüllung unserer Bedürfnisse ausgerichtet (wir handeln alle stets und ständig danach). Ich als Mutter habe genauso Bedürfnisse, wie mein Kind. Sowohl meine eigenen Bedürfnisse, als auch die meines Kindes haben ihre Daseinsberechtigung. Sie existieren alle nebeneinander, ohne das eines mehr oder weniger wiegt. Stress, Konflikte und Streits gibt es dann, wenn meine Strategie, meine Bedürfnisse zu erfüllen, mit den Strategien meines Sohnes seine Bedürfnisse zu erfüllen kollidieren.

Wir haben alle durchaus die selben Bedürfnisse: Ruhe, Nahrung, Austausch, Nähe, Autonomie, Lernen, Wachsen, Kreativität, Vertrauen, Rücksicht, Wohlwollen, Berührung, um nur einige zu nennen.

Wenn wir uns also bemühen zu verstehen, worum es dem anderen gerade geht, lassen sich leichter Wege finden, um allen gerecht zu werden. Wenn ich also das Beispiel Gummibären naschen nochmal auspacke: Wie geht es mir als Mutter? Ich bin vielleicht frustriert, weil ich will, dass mein Kind sich gesund ernährt, ich möchte das seine Zähne gesund bleiben. Ich bin vielleicht auch erschöpft, weil mich solche Situationen anstrengen, ich möchte so gern in guter Verbindung mit meinem Kind sein. Ich, als Erwachsene kann das auch ausdrücken: "Ich bin echt kaputt und hätte es jetzt gern leicht, ich möchte, dass wir Spaß miteinander haben. Und du? Was ist mit dir?"

Mein Söhnchen antwortet: "Will Gummibärchen!" Was fühlt und braucht er, wenn er das sagt? Ich kann keine Gedanken lesen, aber ich kann ihn fragen: "Willst du gerne selbst entscheiden, was du naschen möchtest? Findest du es blöd, wenn ich immer darüber bestimme, was du essen darfst?" Damit stelle ich wieder eine Verbindung zu meinem Sohn her. Ich vermittle ihm deutlich, dass ich nachvollziehen will, worum es meinem Kind eigentlich geht. Ich kann ihn also verstehen(!). Gleichzeitig bin ich total froh und erleichtert, dass ich wieder eine Verbindung zu meinem Kind hergestellt habe, wieder im Kontakt mit ihm bin. Aber gleichzeitig ist da noch die Sorge um seine Gesundheit.

Genau das kann ich meinem Sohn auch sagen: "Mir ist es auch total wichtig, dass ich selbst entscheiden kann, was ich nasche. Deshalb will ich, dass du das auch kannst. Mir ist es aber auch noch wichtig, dass du viele gesunde Sachen isst. Ich möchte, dass es dir gut geht, damit du spielen und toben kannst. Wollen wir es so machen, dass du 5 Gummibärchen bekommst und wir aber auch zusammen noch den Apfel essen?" So habe ich meinem Sohn schon mehrmals einen Kompromiss angeboten, mit dem wir beide sehr zufrieden waren.

Wenn wir unseren Dialog (im Rahmen der sprachlichen Möglichkeiten) mit unserem Kind daran ausrichten, verstanden zu werden, dann ist das kurz gesagt, die innere Haltung der Gewaltfreien Kommunikation, die wir praktisch anwenden.

Verstehen heißt nicht automatisch einverstanden zu sein!

Heißt das, dass ich jedes Verhalten meines Kindes erdulden muss? Nein! Indem ich die Bedürfnisse (Genuss, Selbstbestimmtheit) hinter dem Verhalten (Weinen, Schreien) erkenne und verstehe, wird mir deutlich, dass dies nur eine Strategie unter vielen ist, die mein Sohn angewandt hat, um sein Bedürfnis zu befriedigen. Auf diese Art kann ich mich mit dem Bedürfnis verbinden, es verstehen ohne dabei mit dem Verhalten einverstanden zu sein. Wenn mein Sohn älter ist, werde ich auch aktiv daran arbeiten, ihm zu zeigen, welche Strategien ihm noch zur Verfügung stehen, um seinen Bedürfnissen ausdruck zu verleihen. Indem ich ihm vorlebe auf unserer beiden Bedürfnisse zu achten, ist bereits ein wichtiger Grundstein für eine stabile und liebevolle Verbindung gelegt.

 

Hol dir meinen kostenlosen Newsletter!

 Der Artikel hat dir gefallen? Dann registriere dich hier kostenlos für meinen Newsletter, um dich mit weiteren Informationen auf dem Laufenden zu halten:



 

About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

2 thoughts on “3 wichtige Erkenntnisse, über das „schwierige“ Verhalten meines Kindes

  1. Huhu Mareike, diese Erfahrung hab ich auch schon oft mit meiner Dreijährigen gemacht. Wenn wir aneinander geraten, eben wegen solcher „Banalitäten“, dann hilft Verständnis (richtiges, ehrliches!) für ihre Situation am meisten…es beruhigt oft die Situation von einem Augenblick zum nächsten.
    „Ich weiß, dass dir das nicht gefällt…“ oder „ich verstehe, dass du dich da drüber ärgerst..“ sind (derzeit!) so ne Art „Wunderwaffe“. Ist wirklich faszinierend. Weils so einfach sein kann.

    1. Ja, genau und es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie manche Eltern ihre Kinder in aller Öffentlichkeit ausschimpfen und meinen damit irgendetwas an der Situation zu verbessern. Ich wünsche mir wirklich mehr aufrichtiges Verständnis für unsere Kleinen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll To Top