5 Indizien, wie wir durch Gedanken unsere Welt erschaffen

Meine Überzeugungen sind meine Filter

Wenn mir jemand vor 5 Wochen gesagt hätte, dass die anstehende Zeit so intensiv, schmerzhaft und gleichzeitig so reich an Erkenntnissen wird, hätte ich ihn/sie vermutlich ausgelacht. Heute möchte ich das Thema der vergangenen 2 Wochen noch ein bisschen vertiefen und euch gerne weitere Einsichten über mein/dein Kopfkarussell weitergeben, dass mich/dich jeden Tag begleitet. 

1 - Denken ist Glauben

Jeden Tag produzieren wir einen Gedanken nach dem anderen. In alltäglichen, gewöhnlichen Situationen fällt das kaum jemandem auf. Bewusst wird mir dies immer während meiner Meditationssitzungen, dann wenn ich Stille möchte. Die Lautstärke meines Geistes im Alltag wurde mir allerdings erst so richtig bewusst, seitdem ich Trauerarbeit leiste. Der ununterbrochene Gedankenstrom - besonders an negativen Gedanken - ist so laut, dass ich nicht umhinkam hin und wieder zuzuhören. Und was ich dabei entdeckte, war ziemlich schockierend: Ich werde jeden Tag durchströmt von vagabundierenden Fantasien und destruktiven Alltagsgedanken. 

2 - Überzeugungen beherrschen unser Denken

Manche dieser Gedanken sind so dominant, dass sie nicht einfach nur Gedanken sind, sondern ich sie als Überzeugungen bezeichnen würde. Sie beherrschen, wie wir bestimmte Dinge wahrnehmen. Kleines Beispiel: In den Momenten der dicksten Trauer war ich überzeugt, dass ich bestimmte Dinge nicht bewältigen kann. Ich glaubte, dass das Leben soooo schwer ist. Ich konnte die Gewichte an meinem Körper förmlich fühlen. Erst, als ich mich erinnerte, dass dies ja eigentlich nur meine Meinung ist und keine Tatsache, konnte ich wieder aktiv werden.  

Das hat mir deutlich gezeigt, wie hinderlich solche "Überzeugungen" sein können. Wir haben tausende solcher Überzeugungen aus denen Erwartungen, Meinungen, Anschauungen und Einstellungen resultieren. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich diese in Zukunft im Auge behalte und Hindernisse im Alltag - z.B. wenn ich der Meinung bin, etwas funktioniert nicht - auch immer wieder darauf überprüfe. 

Photo by Jamie Brown / www.unsplash.com

Ich habe dazu ein schönes Bild:

Stell dir vor, deine Überzeugungen sind wie eine gefärbte Sonnenbrille, die du trägst. Durch diese nimmst du alles in bunten Farbtönen wahr und nach einer Weile merkst du gar nicht mehr, dass du diesen Filter auf der Nase trägst. Du weißt gar nicht mehr, wie es um dich herum in Wirklichkeit aussieht. Das erfährst du nur, wenn du die Sonnenbrille wieder abnimmst.  

3 - Gedanken und Überzeugungen erzeugen Emotionen in uns

Wie ich vor 2 Wochen schon einmal ausführlich beschrieben habe, sind unsere Gedanken die treibende Kraft für unsere Emotionen und Gefühle. Nun ist es so, dass diese Kraft, die in Emotionen steckt, die "Sonnenbrille" auf unserer Nase regelrecht festklebt. Je emotionaler wir sind, desto schwerer fällt es uns, diesen Filter abzulegen. Wir klammern uns noch fester an ihn. Dies erzeugt in der Realität die Bilder, die wir sehen wollen (durch unseren Filter). Wenn ich also voller Trauer bin, fällt mein Blick fast automatisch auf die traurigen Dinge um mich herum. Das lässt mich wiederum in meiner Traurigkeit verharren, im schlimmsten Fall verursacht dies einen Abwärtsstrudel hinein in die Depression.  

4 - Überzeugungen erschaffen unsere Wirklichkeit

Unsere Überzeugungen sind nicht nur die Filter für Gedanken und Emotionen, sie sind es, die unsere Fantasie beflügeln. Dafür komme ich nochmal zum o.g. Beispiel zurück. Wenn ich also der Meinung bin, dass das Leben schwer ist. Zu einem gewissen Grad ist mein Denken und entsprechend auch mein Handeln von dieser Überzeugung gefärbt. Ich werde, egal was ich angehe, die "Schwere des Lebens" wirken lassen, indem ich mir vieles nicht mehr vornehme, weil es ja so schwer ist. Ich werde mir schöne Erlebnisse, wie z.B. eine Urlaubsreise verweigern, weil es so schwer ist, etwas zu finden, mit dem ich zufrieden bin. Und schwupps, ist meine Überzeugung maßgeblich an der Schaffung meiner Wirklichkeit beteiligt.

5 - Freiheit kommt, indem wir alte Überzeugungen ablegen

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den Überzeugungen und Erwartungen deiner Umgebung (deiner Eltern, deiner weiteren Familie, deiner Erzieher aus Kindheitstagen, der Kutur und des Zeitalters, in das du geboren wurdest) und deinen eigenen Überzeugungen und somit auch dem Leben, dass du führst.

Das ist mit Blick auf die vorangegangene Gedankenführung vielleicht ein bisschen gruselig. Aber die gute Nachricht ist, dass wir es jederzeit in der Hand haben, diese Überzeugungen abzulegen. Wir können vergangenes zwar nicht mehr ändern, aber wir haben die Gegenwart und die Zukunft in der Hand.

Wir erschaffen ungemein viel Freiheit, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf den Moment lenken. D.h. es ist sinnvoll, auf das zu achten, was man im Moment denkt, tut oder sagt. Hier offenbaren sich unsere Überzeugungen, am direktesten, wenn wir es mit Widerständen zu tun haben. Kleines Beispiel: Ich habe mich neulich selbst entlarvt, als ich mich sagen hörte "Das schaffe ich nicht, diesen Schmerz werde ich niemals los." Da bin ich regelrecht zusammen gezuckt. Dann habe ich mich gefragt, warum eigentlich nicht? Ich bin mir in diesem Moment selbst auf die Schliche gekommen und habe meine Gedanken beobachtet und mir wurde klar, dass ich diese Überzeugung der "Schwere des Lebens" umändern sollte, weil ich sonst eine Talfahrt ohne Ende erlebe. Deshalb übe ich mich derzeit in Achtsamkeit und frage mich immer wieder, wie es mir im Moment geht. Seither lege ich bewusst einen Fokus auf die schönen Dinge im Leben. Ich versuche z.B. mit allen Sinnen zu genießen, wenn ich Zeit mit meinem Kind verbringe. Ich höre meinem Sohn intensiv zu, spiele mit ihm, lese ihm vor und lasse mir von seinen kleinen Gesten (z.B. Umarmungen) den Tag versüßen. Damit bekomme ich die Trauer gut in den Griff. Seit einigen Tagen ist sogar die Leichtigkeit in meine Arbeit zurück gekehrt.

"Wir lernen, selbst wenn wir nur einen Atemzug betrachten, in dieser Sekunde im Hier und Jetzt zu sein. Eine wunderbare Erleichterung, wenn man es im täglichen Leben durchführt. Nichts ist bedrohlich, weil es entweder vorbei oder noch nicht gekommen ist. Die Gegenwart ist einfach." Ayya Khema

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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