Die innere Arbeit in der Elternrolle

DurchatmenAls Eltern erledigen wir einen anstregenden, herausfordernden und in der Regel unbezahlten Job. Wie viele andere Eltern habe auch ich mich ohne klare Strategie auf das Abenteuer "Eltern sein" eingelassen. Ich habe es abgelehnt, mich im Vorfeld mit 1000 Ratgebern über Erziehung zu befassen, denn ich bin der Meinung, dass man "Eltern sein" auch tatsächlich nur lernen kann, während dessen man diese Aufgabe erfüllt.

Dennoch wünschte ich mir manchmal einen Elternrategeber, der sich damit befasst, wie ich meine inneren Erfahrungen, Gedanken und Gefühle (Schmerz, Zweifel, Kummer, Sorgen, etc.) besser managen kann.

Manchmal packt mich nämlich ein Gefühl der Panik und ich habe Zweifel daran, dass ich der ganzen Verantwortung gewachsen bin. Dann nagt an mir die Frage, wie sehr sich wohl mein "Erziehungsstil" auf Herz, Seele und Bewusstsein meines Kindes auswirken wird, wie sehr seine Zukunft also von meinem gegenwärtigen Handeln geprägt sein wird?

Ich glaube, dass ich mit dieser Anforderung als Mutter nur dann fertig werden kann, wenn ich mich auf mein Herz und meine tiefsten menschlichen Instinkte verlasse. Mir ist bewusst, dass ich dabei selbst natürlich auch Prägungen aus meiner eigenen Kindheit mit mir herum trage - positive wie negative. Dass ich jeden Tag Gefahr laufe, mich automatisierten Verhaltensmustern, die ich in meiner Kindheit erlernt habe hinzugeben.

Kennt ihr das?
Das eigene Kind legt ein bestimmtes Verhalten an den Tag, das uns nicht gefällt und plötzlich kommentiert man das automatisch mit Worten, die die eigene Mutter oder der eigene Vater einst gesprochen haben. Als ich dies zum ersten mal an mir beobachtet habe, war ich total erschrocken. Das war der Moment, in dem ich beschloss, mich nicht irgendeinem Autopiloten hinzugeben und mein gesamtes Handeln zu reflektieren.

Aber wie gelingt einem der Ausstieg aus einem solch automatisch ablaufenden Verhalten, wenn man einen wirklich stressigen Alltag hat?

Ich bin davon überzeugt, dass wir unseren Prägungen dann ein Schnippchen schlagen, wenn wir uns in Achtsamkeit üben. Die Technik der Gewaltfreien Kommunikation zu erlernen ist das eine, aber sie wirklich anzuwenden, bedarf einer hohen Achtsamkeit (auch Präsenz genannt). Die erreiche ich, wenn ich mich darin trainiere, mich immer wieder auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Ich bemühe mich z.B. im Alltag nach Kräften, voll und ganz bei meinem Kind zu sein. Ich weiß, das klingt einfacher als es ist. Oft stören dabei nagende Gedanken, die sich mit anderen, vermeintlich wichtigeren Dingen befassen (Situationen aus dem Arbeitsleben, Was soll es zum Abendessen geben?, Wie bekomme ich Problem xy gelöst, etc.).

Schritt eins zu mehr Achtsamkeit ist dabei natürlich das Bemerken des eigenen Abschweifens. Sobald ich merke, dass ich mit meinen Gedanken woanders bin (und das passiert andauernd) verschwende ich auf keinen Fall noch mehr inneren Dialog an Gedanken wie "Ach, wo bist du denn schon wieder in Gedanken? Du sollst doch im Hier und Jetzt sein!" - das würde das innere Drama nur schüren. Ich versuche vielmehr mich in die Gegenwart zu holen (Schritt 2), indem ich mich verschiedener Methoden bediene, z.B. mir die eigenen Sinne zu Hilfe nehme. Ich bin ganz im Hier und Jetzt, wenn ich mich auf das konzentriere, was ich sehe, höre, rieche, anfasse, usw. Ich rieche z.B. total gern an meinem Kind, wenn ich es auf dem Arm habe. Das ist so ein schöner Einstieg ins Hier und Jetzt und das Geplapper im Kopf hält mindestens für diesen Moment an. Dieser wirklich harte Job Eltern zu sein wird dann am besten entlohnt, wenn wir diese unbezahlbaren, kostbaren Momente im Hier und Jetzt mit unseren Kindern erleben. Dann sind wir zu 100% bei ihnen und können uns ganz auf sie einlassen.

Eine andere Methode, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren ist die tägliche  Meditation. Ich nehme mir jeden Tag wenigstens 20 Minuten Zeit mich hin zu setzten und mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Das hilft mir sehr, mich den restlichen Tag über immer wieder mit dem Hier und Jetzt zu verbinden.

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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