Empathie und Mitgefühl…

... sind die Triebfeder einer liebevollen Verbindung zu unseren Liebsten. Sie gehören zudem zur Grundhaltung der Gewaltfreien Kommunikation. Wenn wir es schaffen, uns empathisch mit jemandem zu verbinden, brauchen wir keine GFK Technik mehr, dann ist das die alles heilende lebendige Verbindung, die wir im anderen suchen.

Es gibt viele Baustellenempathy, an denen m.E. nach der Einsatz von Empathie heilende Wirkung haben kann. Das ist gültig für den kleinen intimen Bereich der Familie aber auch Angesichts der aktuellen weltweiten Entwicklungen.

Die empathische, mitfühlende Grundhaltung ist das Herz einer liebevollen Verbindung. Aber was ist das? Wann bin ich empathisch?

Empathie bedeutet völlige Präsenz. Ich stimme dem anderen zu, wie er ist. Dabei verfolge ich nur eine Absicht: Die andere Person wahrzunehmen, wie sie sich fühlt, und welche Bedürfnisse sie hat. Wenn ich zuhöre, bin ich ganz beim Gegenüber.

Empathie ist nicht an Worte gebunden.

Wir benutzen Worte dann,

... wenn wir uns selbst nicht sicher sind, ob wir spüren, was der andere fühlt und braucht – ich sorge dann für mein eigenes Bedürfnis nach Klarheit und Verbindung.

... wenn der andere möchte, dass ich ihn unterstütze, seine Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen.

Ziel sollte sein, eine wertschätzende Verbindung herzustellen und nicht etwas Bestimmtes vom anderen zu bekommen. Wenn diese Verbindung hergestellt ist, ergeben sich Lösungsmöglichkeiten oftmals von selbst.

Das leuchtet sicher jedem ein, aber ich erlebe auch oft Verwechslungen. Manche Menschen glauben, sie sind super empathisch aber sie täuschen sich. Am besten erkläre ich mal,

was Empathie alles nicht ist:

  1. Belehrung oder gut gemeinte Ratschläge sind nicht empathisch. Beispiele: "Hast du dich schon mit Person xy dazu unterhalten? Der weiß sicher Rat." Oder: "So würde ich das nicht machen. Probier doch mal xy aus!" Ich bringe mit solchen Sätzen wieder meine Meinung ein, um die es hier aber erstmal nicht geht.
  2. Manche Menschen tendieren auch dazu sich zu entschuldigen, Schuld auf sich nehmen. Auch das ist nicht empathisch, das verstärkt unser inneres Drama und verstrickt uns mit uns selbst und schon sind wir nicht mehr bei der anderen Person.
  3. Ganz viele Menschen wollen auch sofort Trost oder Ermutigungen zusprechen. Weiß ich, dass das mein Gegenüber gerade braucht? Ich tue ihm keinen Gefallen mit so Plattitüden wie: "Es wird schon wieder, nimm es nicht so tragisch!"
  4. Ganz gefährlich wird es, wenn wir Mitleid mit Mitgefühl verwechseln: "Ach du Ärmste, dich hat es wirklich schlimm erwischt!" Das ist nicht empathisch! Das ist die Bewertung der Situation aus deiner eigenen Sicht.
  5. Nächste Falle: dem anderen Zustimmen, sich Verbünden. Das mündet dann in Äußerungen wie: "Da hast du Recht, die spinnen doch, lass dir das nicht gefallen!" Das ist der beste Weg, um sich durch das Leid des anderen gegen jemanden aufwiegeln zu lassen. Genau das erleben wir gerade im weltpolitischen Geschehen (z.B. die Anschläge von Paris am 13.11.2015 - wir werden aufgewiegelt, da spielt jemand mit dem Leid von anderen!).
  6. Ebenso wenig hilfreich ist das Ablenken oder die Bekundung von intellektuellem Verstehen der Situation: "Ja, das verstehe ich, ja, das kenne ich von mir selbst, das habe ich auch schon erlebt … (schwupp, schon wird die eigene Geschichte erzählt)"

Warum sind wir oft so gar nicht empathisch mit anderen? Was hält uns davon ab? Hier gebe ich euch mal ein paar Beispiele:

  • unbedingt helfen wollen
  • Angst, helfen zu müssen und nicht zu wissen wie
  • eigene Bedürfnisse
  • Frust, Schmerz, starke Trauer, Angst vor schmerzhaften Gefühlen
  • „Empathie“ geben, um Wertschätzung zu bekommen, um die eigene Unsicherheit zu verbergen oder damit der/die anderen dann anschließend doch macht, was ich möchte („ich hab dir jetzt so lange zugehört, nun lenk aber auch mal ein“).

Ich wünsche mir wirklich mehr ehrliche empathische Ansätze in unserer Kommunikation. Auch mir gelingt diese empathische Verbindung nicht immer. Aber seitdem ich begonnen habe, diese als mein Ideal von zwischenmenschlicher Interaktion zu betrachten, habe ich weniger oberflächliche Gespräche und bin viel ehrlicher, auch mit mir selbst. Das kann gerade für unsere oftmals tiefen Verstrickungen in Familienbeziehungen ein echter Anker sein.

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

2 thoughts on “Empathie und Mitgefühl…

  1. Sehr schön Mareike,
    Ja, meine Urteile und Meinungen helfen in der Situation des anderen eher nichts. Da sein und fühlen. Empathie ist auch für mich das wichtigste Ideal in unseren Beziehungen. Alle Konflikte und Anfeindungen lösen sich in einer empathischen Haltung auf, weil ich dem anderen in seinem wahren sein begegne. Das ist zumindest meine aktuelle Erfahrung dazu.
    Liebe Grüße
    Beatrice

    1. Liebe Beatrice,

      ich freue mich, dass du dich auf den Pfad der Empathie begeben hast. Ich versuche auch so viel es geht aus dieser Haltung heraus meinen Mitmenschen zu begegnen. Klar, das gelingt mir auch nicht immer. Aber wie du schon so schön gesagt hast, es ist ein Ideal 🙂

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