Trauerarbeit mit Kleinkind – Gefühle, die Nähe schaffen

Eigentlich wollte ich diese Woche einen Artikel über die "Bedeutung von Bedürfnissen" schreiben, aber das Leben hat mich voll erwischt. Oder vielmehr, das Dahinscheiden eines Lebens. Am Sonntag, den 28.02.2016 ist mein Vater verstorben, ganz plötzlich und unerwartet.

Nach einer anfänglichen Schockstarre begleitet von Aktionismus (es muss ja alles geregelt werden) begann Anfang dieser Woche erst die eigentliche Trauerarbeit für mich. Aber ist Trauern eigentlich so richtig möglich, wenn man selbst ein kleines Kind zu versorgen hat?

In diesem dumpfen Gefühlshaufen, der mich die ganze Zeit begleitet, wird immer wieder eine kleine Stimme laut, die mich anhält, mich nicht zu sehr "hängen" zu lassen. Ich muss ja "funktionieren" für mein Kind. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass es sinnvoll ist, den Tränen freien Lauf zu lassen. Jede entladete Emotion verschafft mir Erleichterung.

So befinde ich mich in einem Spagat, von dem ich gerade noch nicht absehen kann, ob ich ihn beherrsche. Aber warum sollte ich auch etwas beherrschen? Der Verlust des eigenen Vaters ist Chaos. All die Dinge, die es zu regeln gibt, all die Emotionen, Erinnerungen, auch Begegnungen mit meinen Geschwistern und anderen Betroffenen, die auf mich einprasseln, gehen zunächst einher mit Orientierungs- und Haltlosigkeit.

Da ist sie also, die Talsohle und mittendrin stehe ich mit einem Kleinkind, dass noch so klein ist, dass es noch nicht versteht, was es bedeutet, wenn ich sage: "Dein Opa ist nicht mehr da." Mein Sohn versteht auch nicht, warum ich plötzlich weine. Aber er versteht, dass ich traurig bin. Er drückt seine Anteilnahme und vielleicht auch Irritation aus, indem er mir über das Gesicht streicht und sagt: "Mama nicht weinen!".

Der Halt, den ich in diesen kleinen Händchen finde ist ein erstaunlich solider Anker. Es verblüfft mich sehr, wie empathisch ein so kleines Kind sein kann und ich bin froh, dass ich meine Gefühle - auch diese großen und überwältigenden Gefühle - in Anwesenheit meines Kindes zeige. Es ist mir sehr wichtig, dass mein Sohn lernt, wie sich verschiedene Gefühle ausdrücken und vor allem, dass auch er selbst sie jederzeit ausdrücken darf. Das schafft gerade in dieser momentanen so intensiven Situation noch mehr Nähe und Verbindung zwischen uns. Auch daraus ziehe ich für mich viel Trost und Kraft.

Das ist auch mein Fazit für die jetzige Phase meiner Trauer: Ich bin froh über die Nähe zu meinem Kind und meinem Mann und dankbar, dass ich im dicksten Schmerz meine Familie um mich herum habe. Das ist genau die heilsame Verbindung, die ich am dringendsten Brauche.

"Das Ziel im Leben ist es, all unser Lachen zu lachen und all unsere Tränen zu weinen. Was auch immer sich uns offenbart, es ist das Leben, das sich darin zeigt, und es ist immer ein Geschenk, sich damit zu verbinden."

Marshall B. Rosenberg

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About Mareike

Mein Herzensthema sind gewaltfreie Beziehungen zu Kindern leben. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und physischer Gewalt aufwachsen können. Vor 5 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation und übe mich mit meiner kleinen Familie seither im gewaltfreien Miteinander. Ich kann sagen, dass es funktioniert und ich mein Familienleben als wunderbar und entspannt und freudvoll empfinde. Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich der Erziehung. Am besten lassen wir ganz die Finger davon und konzentrieren uns auf unsere Bedürfnisse. Das ist der Schlüssel zu mehr Frieden...

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