Ein was? Es gibt einen Liebster Blog Award! Den kannte ich bis vorletzten Sonntag noch gar nicht und dachte zuerst „Huch, was ist das denn?“. Beim Durchlesen des Leitfadens fand ich es aber ganz witzig, weil es ein bisschen den Charakter der Kettenbriefe von früher hat (wer kennt die noch?). Da mir die Idee gefällt, dass sich Blogger untereinander besser kennen lernen und vernetzten, nehme ich meine Nominierung dankend auf und schreibe heute meinen Blogpost dazu.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Nathalie für die Nominierung! Nathalie`s Blog happynezcoach ist zwar noch „jung“, aber vielversprechend! Sie ergründet darin Wege, zur Selbstentwicklung. Mit gezielten Fragen, die sich jeder einmal stellen sollte, bietet ihr Blog Hilfe zur Selbsthilfe für dieses Thema an. Wer weiß, vielleicht kommt bekommt man dabei den Anstoß, das eigenen Leben nochmal auf den Kopf zu stellen? :-) Ich für meinen Teil nehme hier vielfältige Inspirationen mit und bin gespannt, was in den nächsten Wochen noch alles dazu kommt…

Aber was ist nun mit dem Award?

 

Für diesen Award nominieren sich Blogger/innen untereinander und bringen so ihre Leser auch mal auf andere Gedanken und Websites. Zudem bietet sich durch die vom Nominierenden gestellten Fragen die Chance, etwas mehr über die Blogger/innen zu erfahren.  

Hier ist der Liebster Blog Award Leitfaden:
  • Danke der Person, die dich nominiert hat und verlinke ihren/seinen Blog in deinem Artikel.
  • Beantworte die 11 Fragen deines Nominierenden.
  • Nominiere 3-11 neue Blogger mit weniger als 300 Followern auf ihrem Blog.
  • Überleg dir 11 neue Fragen für die nominierten Blogger.
  • Füge die Regeln in deinen „Liebster Award Post“.
  • Füge eins von den Liebster Award Logos ein.

So, nun wird es Zeit die Fragen zu beantworten, die ich von Nathalie erhalten habe.

1 – Wie findet ihr die Kommunikation unter uns Bloggern?

 

Ich habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche Blogger sind sofort dabei in Kontakt zu treten und sich auszutauschen und bei manchen kommt keine Antwort. Ich muss zugeben, dass ich viel zu wenig Zeit habe, mich in der Intensität zu vernetzen, in der ich es gerne will. Aber ich bin mit ein paar Kolleginnen in einem super Austausch und das freut mich total.

2 – Habt ihr ein Konkurrenzgefühl bei ähnlichen Blogs, wie eure?

 

Eigentlich nicht. Ich freue mich sogar, dass es immer mehr Blogs zum Thema gewaltfreie Beziehungen zu Kindern führen gibt, weil mir dieses Thema super wichtig ist. In unserer Gesellschaft schleichen immer noch zu viele überholte Ansichten zum Thema Erziehung rum, da kann es einfach nicht genug Mamis und Papis geben, die darüber berichten, wie es anders geht. Außerdem finde ich in solchen Blogs auch immer wieder Bestätigung dafür, dass es noch mehr Menschen gibt, die dieses Thema umtreibt. Damit stellt sich für mich die Frage nicht mehr, ob ich als Einzige etwas „anders“ ticke.

3 – Fällt es dir leicht Komplimente anzunehmen?

 

Das war tatsächlich lange ein Thema für mich, ist aber inzwischen besser geworden. Ich habe viel an meinem Selbstwertgefühl gearbeitet und kann inzwischen aufrichtig Danke sagen und mich freuen, wenn ich ein Kompliment bekommen.

4 – Wie oft schreibst du noch mit der Hand?

 

Täglich! Ich nutze beruflich ein Notizbuch und führe privat ein Büchlein mit Ideen und ganz privaten Gedanken – es Tagebuch zu nennen, wäre übertrieben, aber es geht in die Richtung.

5 – Was von deiner Einrichtung deiner Wohnung hast du selber gemacht?

 

Ich habe einige Kissenbezüge, Tischdecken und Servietten selbst genäht. In unserer Küche prangt zudem ein von meinem Mann selbst gebautes Regal, dass ich zumindest weiß gepinselt habe. Mit einem Bücherregal im Wohnzimmer verhält es sich genauso, da habe ich die Bretter braun gepinselt.

6 – Was würdest du mit einer Stunde zusätzlich am Tag anfangen?

 

Ich würde die Stunde mit meinem Sohn verbringen. Im Moment habe ich häufiger ein schlechtes Gewissen, dass ich ihm wegen der vielen Arbeit nicht die Aufmerksamkeit zukommen lasse, die ich gerne möchte.

7 – Was bringt dich zum Lachen?
  • Ein guter Witz,
  • Situationskomik,  
  • Die Fantasiegeschichten meines Sohnes (er denkt sich manchmal echt ulkige Sachen aus, die richtig lustig sind),
  • Die Comics von Simon und seiner Katze (auch bekannt unter Simon’s Cat),
  • Meine eigene Katze hin und wieder,
  • Ich mich selbst, wenn ich mal wieder etwas tollpatschig bin,
  • Mein Mann, er hat einfach einen tollen Humor.
8 – Wie viele Stunden in der Woche planst du zum Bloggen ein?

 

Das ist unterschiedlich und hängt davon ab, wie sattelfest ich in einem Thema bin. Wenn ich viel recherchieren muss, dauert so ein Beitrag schon mal eine Woche, in der ich täglich 2-3 Stunden dran bin. Bin ich fit im Thema, schreibe ich auch mal in nur 2 Stunden einen Artikel.

9 – Womit beschäftigst du dich am liebsten in deinen Tagträumen?

 

Ich gestalte in Gedanken viel in meinem Garten rum und träume von Blumenarten, -farben, und -zusammenspiel. Manchmal denke ich mir auch einfach aus, was ich als nächstes nähen oder stricken möchte (das sind die Hobbys, die im Moment zu kurz kommen).

10 – In welcher Hinsicht bist du anders als andere Menschen?

 

Schwierige Frage… Ich glaube nicht, dass ich „anders“ bin als andere Menschen indem was ich mir wünsche, was Gefühle und Bedürfnisse betrifft. Alles was ich an Teilaspekten in meinem Wertesystem und meiner Persönlichkeit in mir trage, wird der ein oder andere Mensch auch haben. Lediglich die Kombination aus all diesen Aspekten wird bei mir ein wenig anders sein, als bei anderen. Ich habe zumindest für alle „Eigenheiten“ die ich habe, immer jemanden gefunden, der diese auch hat.

11 – Siehst du deinen Blog als Hobby oder möchtest du das irgendwann beruflich machen, wenn du das nicht schon tust?

 

Ich blogge auch aus einem beruflichen Grund und würde den Blog sehr gern mehr in diesem Sinne gestalten. Daran arbeite ich im Moment und brauche noch ein bisschen Zeit.

So, das waren die Antworten von meiner Seite und ich komme nun zu den Blogs, die ich gerne weiter empfehlen möchte und denen ich eine größere Reichweite wünsche:

ICH NOMINIERE !

 

Die Blogs meiner nominierten Blogger-Kolleginnen sind allesamt vielversprechend. Also Trommelwirbel, hier kommt:

1) Melanie, mit ihrem sehr exquisiten Blog über die Coffee Lifestyles dieser Welt. Sie trifft bei mir gleich auf 2 Arten den Nerv: Ich liebe Kaffee und ich liebe Reisen. Da sie beide Themen miteinander zu verbinden versteht, komme ich nicht umhin, immer wieder bei ihr rein zu schauen und mir Inspirationen zu holen, wo ich demnächst auch mal einen Kaffee genießen will.

2) Die JungsMama aka Sonja, ist quasi meine Schwester im Herzen, da ich auch einen kleinen Jungen habe. Ich mag die Art, wie sie das Leben mit ihrem Jungen angeht. Ihre Beiträge sind sehr witzig, berührend und kreativ. Ich liebe ihre Bastelideen und ebenso ihre unkonventionelle Art, den Jungskram für uns Mamis verständlich zu erklären – in ihrem Artikel über das Sammlertum ihres kleinen Mannes, habe ich auch meinen kleinen Strolch wieder gefunden.

3) Die Djuri von undressmysoul ist mit diesem Blog zwar auch erst los gelaufen, aber ich bin echt platt, weil ihre Beiträge von immenser Tiefe sind. Sie widmet sich der inneren Arbeit mit Hilfe des Ansatzes von The Work. Auf berührende Art und Weise beschreibt sie, wie diese Arbeit bei ihr selbst abläuft und gibt damit auch anderen die Inspiration, die eigene innere Entwicklungsarbeit anzugehen. Großartig!

4) Die Kathi, mit ihrem berührenden Blog geliebtes-kind-motzibacke ist ebenfalls eine Kollegin des Herzens für mich. Sie spricht mir in Sachen Kinder selbstbestimmt wachsen zu lassen aus dem Herzen und ich schätze ihre Ehrlichkeit und Offenheit zu diesem Thema. Weiter so! Es braucht diese Blogs, damit ein Umdenken statt findet! :-)

5) Last but not least: Maria, mit ihrem sehr persönlichen Blog über das Zusammenleben mit ihrer Tochter im Lichte der Achtsamkeit. Hier finde ich eine weitere großartige Frau, die ähnliche Werte und Ziele verfolgt wie ich und ich wünsche ihr sehr, dass auch ihre Ideen und Beiträge eine große Öffentlichkeit finden. Es kann einfach nicht genug solcher Inputs geben!

Ihr Lieben, ich wünsche uns allen, dass unsere Blogs bekannter werden und viele andere Menschen inspirieren, an sich zu arbeiten und das Leben zu genießen. Damit eure Leser noch mehr über euch erfahren, hier nun meine 11 Fragen an euch:

1 – Was war dein Auslöser fürs Bloggen?

2 – Wie gehst du ans Schreiben eines Artikels heran? Hast du eher Aufschieberitis oder erledigst du es direkt, wenn die Ideen kommen?

3 – Hast du Rituale für das Schreiben?

4 – Hast du eine Muse oder Inspirationsquelle für deine Artikel?

5 – Welches ist dein liebstes Kinderbuch?

6 – Wie viele andere Blogs verfolgst du selbst momentan regelmäßig? Welche sind deine Liebsten?

7 – Welche Themen würdest du mit mehr Zeit gern noch in deinem Blog vertiefen?

8 – Gibt es Blogs, für die du gern mal einen Gastartikel schreiben würdest? Welche?

9 – Welcher Song kann dich zu Tränen rühren und warum?

10 – Welches ist dein liebstes Reiseziel? Strand, Berge, City, welches Land, welcher Kontinent?

11 – Was in deinem Leben gibt dir gerade Kraft?

Ich bin nun wirklich gespannt, was ihr Mädels darauf antworten werdet. Ich freue mich sehr über diese Gelegenheit, euch ein bisschen besser kennen zu lernen! Have fun! :-)

Teil 6 der Blogserie „Gewaltfreie Beziehungen in der Familie leben“

Der heutige Artikel widmet sich dem 4. Schritt im Modell der Gewaltfreien Kommunikation. Das ist klassischerweise das Bitten um die Erfüllung unserer Bedürfnisse. Hierfür hat die GFK ein paar „Regeln“ aufgestellt. Wenn wir diese befolgen, erhöht sich zumindest die Chance, dass Andere gerne bereit sind, unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

Folgende Aspekte können wir dafür beachten:

Wenn wir den Sinn hinter einer Bitte erkennen, steigert dies häufig unsere Bereitschaft, dieser nachzukommen. Sinn erzeugen wir dann, wenn wir dem Anderen eine Mitteilung über unsere Situation, Gefühle und Bedürfnisse machen:

„Ich bin total müde und brauche ein wenig Unterstützung. Würdest du bitte den Abwasch machen, während ich die Wäsche zusammenlege? Beides schaffe ich heute nicht mehr, dafür bin ich zu kaputt.“

Natürlich ist es auch hilfreich, wenn wir die Handlung, die wir uns wünschen so konkret wie möglich äußern:

Ich habe schon häufig die Erfahrung gemacht, dass mein Sohn einer konkret formulierten Bitte sehr gern nachkommt: „Ich möchte, dass du deine Spielzeugtiere wieder in die Kiste räumst, in die sie hineingehören.“ Würde ich hingegen sagen „Räume bitte dein Zimmer auf.“, wäre er sicher irritiert, weil die Aufforderung ohne Benennung eines konkreten Objektes zu abstrakt für ihn ist.

Es hilft zudem, Bitten positiv zu formulieren. Ich erlebe es häufig, dass Kindern gesagt wird, was sie nicht machen sollen. Das hat nicht selten den Effekt, dass dann genau das passiert, was wir nicht wollen: „Bitte passe auf, dass du deinen Tee nicht verschüttest.“ Und was passiert? Die Tasse mit dem Tee fällt herunter. Wenn ich hingegen sage, „Bitte schieb deine Tasse hinter deinen Teller.“, dann klappt das super und der Fußboden bleibt sauber.

Ist eine Bitte zudem verhandelbar, geht mein Gegenüber eher darauf ein. Beispielsweise ist mein Sohn derzeit häufig in das Spiel mit bestimmten Gegenständen vertieft. So meist auch dann, wenn ich mit ihm rausgehen will. Ich vermute, dass er seine Bedürfnisse nach Spielen und Lernen damit befriedigt. Basierend auf dieser Einschätzung trete ich dann mit ihm in Verhandlung:

„Ich verstehe, dass es dir im Moment total wichtig ist, dass du mit deinem Bagger spielen kannst. Ich möchte jetzt gern rausgehen, weil ich frische Luft brauche. Magst du mitkommen, wenn wir deinen Bagger auch mitnehmen?“

Solch ein Einbeziehen seines Bedürfnisses kann schon reichen, damit mein Sohn freiwillig mit nach draußen kommt, und wir beide bekommen, was wir brauchen. Ich habe hier also erfolgreich verhandelt, weil ich seine Bedürfnisse genauso gut gewahrt habe wie meine eigenen.

Last but not least möchte ich noch auf den wichtigsten Aspekt bei der Bitte um eine Handlung hinweisen. Ich habe ihn mir für den Schluss aufgehoben, weil er den entscheidendsten Aspekt für das Formulieren einer Bitte darstellt. Selbst für die größten GFK-Fans und auch besonders liebevolle Eltern stellt er regelmäßig eine Herausforderung dar:

In einer wohlwollenden Haltung bleiben, wenn unserer Bitte mit einem „Nein“ begegnet wird!

Wie gehen wir damit um, wenn unsere Bitte, die wir sorgfältig nach allen „Regeln der GFK-Kunst“ formuliert haben, von unserem Kind nicht erfüllt werden möchte?

Unsere Kinder sind die besten „Testkunden“ für unsere Bitten, die wir uns wünschen können. Sie sind, besonders in ganz jungen Jahren, gnadenlos ehrlich und lehnen unsere „Bitten“ wesentlich häufiger ab, als jeder Erwachsene es tun würde. Sie testen damit immer wieder und unerbittlich unsere Haltung und prüfen dadurch ebenfalls die Glaubenssätze über Erziehung, die in uns stecken. Das ist der Moment der Wahrheit, in dem die zweifelnden Stimmen und alten Glaubensmuster aufbrechen:

„Er/Sie müsste eigentlich tun, was ich von ihm/ihr verlange, schließlich bin ich seine/ihre Mutter!“

„Du musst dem Kind Grenzen setzen, sonst tanzt es dir auf der Nase herum!“

„Wo bleibt der Respekt?“

„Ich bin einfach nicht konsequent genug.“

„Die GFK funktioniert nicht!“

Eines ist ganz sicher: Wenn mir nach der Äußerung meiner Bitte, solche Sätze in den Kopf poppen oder ich stark empört oder verärgert bin, dann war es keine Bitte. Dann war es eine Forderung, denn der Unterschied zwischen einer Bitte und einer Forderung besteht einzig und allein in der Haltung, die ich einnehme, wenn ich ein „Nein“ kassiere!

Es kommt keinesfalls auf die Formulierung der Bitte an! Die Art, wie wir etwas formulieren, ist kein Garant für die Erfüllung unserer Bitte! Sie erhöht lediglich die Chance, dass diese erfüllt wird.

Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass die GFK nicht gedacht ist, um uns eine kuschelige Erziehungsmethode an die Hand zu geben. Dies wird gerade durch unseren Umgang mit einem „Nein“ auf eine Bitte deutlich.

Die Freiwilligkeit mit der der Andere diese Bitte erfüllen darf, ist ein heiliges Prinzip in der GFK!

Wie gelingt es mir, in einer wohlwollenden Haltung zu bleiben, wenn meine Lieben meiner Bitte nicht nachkommen wollen?

Es fordert uns als Eltern enorm heraus, den Widerwillen unserer Kinder zu erfahren, weil es in unserem Denken stark verankert ist, dass unsere Aufgabe darin besteht, „Verhaltensergebnisse“ bei unseren Kindern zu erzielen. Kurz gesagt: Kinder sollten das tun, was wir ihnen sagen (Schließlich wissen wir es ja besser und sind lediglich um ihr Wohlergehen besorgt).

Dass auch Kinder ein Recht darauf haben, etwas nur dann zu tun, wenn sie es freiwillig tun, muss auch ich mir gelegentlich ins Gedächtnis rufen.

Dazu möchte ich an dieser Stelle etwas weiter ausholen und die Sache mit dem eigenen Willen genauer betrachten.

Jeder Mensch braucht einen eigenen Willen, besonders dann, wenn er in einer Gesellschaft wie der unseren zurechtkommen will!

„Die Willenskraft ist die Verbindung zwischen dem ungestillten Bedürfnis und der dazugehörigen Tat, die zum Ziel führt.“ (Britta Hahn)

Wenn wir erkennen, dass wir ein Bedürfnis haben, ist das lediglich der erste Schritt. Wir bekommen erst dann, was wir brauchen, wenn wir auch die entsprechenden Handlungen ausüben, um das Bedürfnis zu befriedigen. Dafür braucht es unseren Willen. Im großen Kontext gedacht, braucht es die Willenskraft also, um unsere Ziele zu erreichen; besonders dann, wenn wir Hindernisse und widrige Umstände überwinden müssen.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es fatale Folgen haben kann, wenn einem jungen Menschen der eigene Wille abgesprochen oder gar gebrochen wird. Das ist nicht nur eine schmerzhafte Erfahrung. Es kann den inneren Antrieb im Leben dieses Menschen enorm beeinträchtigen.

Wenn mein Sohn meiner Bitte also mit einem „Nein“ begegnet, bedeutet das, dass er eine eigene Entscheidung getroffen hat. Dass er selbstbestimmt ist und dass er keine Angst hat, dies zu zeigen. Bei näherem Hinsehen ist das sogar ein Grund zur Freude, weil ich mir dadurch sicher sein kann, dass mein Kind seine eigenen Bedürfnisse ernst nimmt.

Es hilft mir zudem sehr, mir in den Momenten, wenn ich ein „Nein“ bekomme, mir Folgendes bewusst zu machen: Mein Kind will mich mit der Ablehnung meiner Bitte nicht provozieren oder ärgern. Weder mein Sohn noch sonst irgendjemand tut mit dem Abschlagen meiner Bitte etwas gegen mich, sondern sie tun etwas für sich: Sie erfüllen sich ihre Bedürfnisse!

Wenn es mir in solchen Situationen gelingt, mich in diese Bedürfnisse einzufühlen, komme ich heraus aus den Glaubensmustern über Erziehung und hinein in den Kontakt zu meinen Lieben, der unser liebevolles Miteinander ermöglicht. Wenn wir in dieser Haltung verweilen, eröffnen wir uns damit neue Möglichkeiten, um Wege zu finden, die beiden Parteien neue Handlungsspielräume ermöglicht. Dann kann z.B. das Verhandeln einer Bitte neu beginnen.

Es gibt im Familienalltag genug Momente, in denen dieser Spielraum leider einfach nicht gegeben ist. Wenn mein Mann und ich beispielsweise unsere beruflichen Verpflichtungen wahrnehmen und wir dann unsere Wünsche und Bedürfnisse gegenüber denen unseres Sohnes durchsetzen. Wie oft frage ich mich auch einfach nicht, ob es einen anderen Weg gibt?

Eine gewaltfreie und liebevolle Beziehung mit meiner Familie zu führen, bedeutet nicht, dass alle immer alles bekommen, was sie sich im Moment wünschen. Es bedeutet für mich, dass alle Beteiligten mit ihren Bedürfnissen gesehen werden.

Ich möchte unsere Beziehung so gestalten, dass so viele Bedürfnisse wie möglich freiwillig erfüllt werden. Zudem ist es mir wichtig, dass auch die Bedürfnisse gesehen werden, die nicht erfüllt wurden und dass es okay ist, darüber traurig oder wütend zu sein.

Seitdem ich mir diese Zusammenhänge und Wünsche für meine Beziehungen deutlich gemacht habe, hat die Freiwilligkeit in Bezug auf die Erfüllung meiner Bitten einen noch höheren Stellenwert für mich.

Wenn mein Sohn einer Bitte einfach nicht nachkommen will, hat es für mich etwas enorm Befreiendes, wenn ich mich auf die Freiwilligkeit berufe. Ich habe nämlich ebenfalls eine Wahl, wie ich damit umgehen will. Ich muss nicht reflexartig handeln. Ich kann mich, anstatt nach alten Erziehungsmustern zu handeln, in unsere Gefühle und Bedürfnisse in der jeweiligen Situation einfühlen und sie benennen.

So zeige ich meinen Kind, dass ich es liebe und ernst nehme, und weiß für mich, dass seine Weigerung etwas über seine Bedürfnisse aussagt, aber nicht gegen mich gerichtet ist. So gehe ich mit einem guten Gefühl aus diesem Konflikt, indem ich ihn besser zu verstehen lerne und anschließend, aufbauend auf dieser Erkenntnis, eine neue Bitte formulieren kann oder eben anerkenne, dass ich dieses Bedürfnis gerade nicht erfüllen kann.

Jetzt bin ich wie immer sehr gespannt, wie es dir mit diesen Gedanken geht! Hinterlasse gern einen Kommentar oder schreib mir eine Mail: mareike@liebevollefamilie.de

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