Wie ich mich gelassener auf das Tempo meines Kindes einlassen kann

Mein Söhnchen ist in letzter Zeit ein echtes „Bummelkind“ geworden. Viele Alltagsabläufe dauern länger, weil er neue Dinge entdeckt, spielt oder etwas „selber machen“ will. Das ist besonders morgens eine echte Herausforderung. 

Aber was erzähle ich den erfahrenen Eltern hier? Ich wette mit euch, Jeder! kennt dieses Phänomen, das besonders dann auftritt, wenn wir es eilig haben.

Nun habe ich aber überhaupt keine Lust, mich davon länger stressen zu lassen. Deshalb habe ich das „Trödelverhalten“ meines Sohnes genauer unter die Lupe genommen. Je mehr ich es beobachte und mich auch belesen habe, desto mehr kann ich mich mit dem Trödeln anfreunden. Aber lest selbst!

Trödeln ist ganz normal

Das Kinder trödeln liegt einfach daran, dass ihr Gehirn auf einen Situationswechseln noch nicht so flexibel reagiert, wie das eines Erwachsenen. D.h. gerade die situativen Übergänge (z.B. anziehen und nach draußen gehen, Abends ins Bett gehen, etc.) sind für die Kleinen schwieriger, weil sie sich dann lösen müssen von warmer Kleidung, dem Spielzeug, den Eltern, etc. Sie brauchen einfach ein bisschen mehr Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Geregelte Abläufe helfen dabei, um diese Übergange zu bewältigen. Seit mir dies bewusst geworden ist, kann ich viel mehr Verständnis für das Verhalten meines Kindes aufbringen. Ich plane für viele „Übergänge“ schon per se mehr Zeit ein, damit ich nicht selbst unter Druck gerate. Außerdem versuche ich die wiederkehrenden Abläufe wie ein Ritual zu gestalten, indem ich u.a. die Reihenfolge der Abläufe einhalte (z.B. erst die Jacke anziehen und schließen, dann die Tür öffnen, etc.) 

Je mehr ich drängele, desto mehr hält mein Sohn gegen

Manchmal ist es einfach knapp mit der Zeit. Das sind die Momente, die mich auch am meisten herausfordern, da ich ein Mensch bin, dem unpünktliches Erscheinen großes Unbehagen bereitet. Bisher habe ich immer versucht meinen Sohn anzutreiben, um z.B. den Prozess des Anziehens zu beschleunigen. Aber das ging jedes mal in die Hose. Mein kleiner Herr „ich mache aus Prinzip nicht das was du willst“ schaltet in solchen Momenten immer noch einen Gang runter oder beginnt zu quengeln bis dahin, dass gar nichts mehr geht.

Durch ein trödelndes Kind den eigenen Stresspegel in den Griff bekommen

Mir ist aufgefallen, dass mein Sohn wirklich sensibel auf den Stress reagiert, den ich verbreite. Ich bin überzeugt, dass jedes Kind die emotionalen „Schwingungen“ seiner Eltern aufnimmt und darauf auf seine Weise reagiert. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf habe ich einen Strategiewechsel vorgenommen und begonnen, meinen Stresspegel z.B. durch bewusste Atmung runter zu schrauben. Auch wenn die Zeit drängt, versuche ich ruhig zu atmen. Außerdem habe ich mir sogar ein neues Mindset zurecht gelegt:

Ich überlege, wenn wir knapp dran sind, was im schlimmsten Fall passiert, wenn wir zu spät kommen. Oft merke ich, dass es gar nicht der Weltuntergang ist. Das ist ein echter Beitrag, um meinen Puls zu senken. Außerdem habe ich inzwischen die Erfahrung gemacht, dass die allermeisten Menschen totales Verständnis dafür haben, wenn man mit einem kleinen Kind ein paar Minuten später auftaucht. Zusätzlich mache ich immer wieder die Erfahrung, dass ich mich ganz umsonst abhetze, weil dann die Verabredung auch noch nicht da ist oder das Wartezimmer beim Arzt trotz Termin brechend voll ist. In den meisten Fällen kommt es auf ein paar Minuten wirklich nicht an und aus dieser Haltung heraus nehme ich mir selbst und meinem Kind schon ganz schön viel Druck. In diesem Punkt hat mich mein Sohn echt gelehrt gelassener zu sein. 

Trödeln entspannt und ist notwendig, um die Welt zu entdecken

Neulich habe ich meinen Sohn mit dem Auto von der Tagesmutter abgeholt und wollte ihn in seinen Autositz setzen. Da kam der erste Widerstand. „Nein, will allein einsteigen“ Ok, dachte ich mir, dann steig allein ein und krabbel auf deinen Sitz. Tja Pustekuchen. Mein Söhnchen hatte nichts besseres zu tun, als erstmal promt auf den Fahrersitz zu klettern und mit dem Lenkrad zu spielen und die ganzen Knöpfe und Hebel zu betasten. Ich habe versucht, ihn dazu zu bewegen, wieder in seinen Sitz zu klettern, aber es kam ein handfestes „Nein!“.

Da wir gerade mal keinen Termin hatten, ließ ich ihn auf dem Fahrersitz rumturnen. (Ich hatte sicher gestellt, dass alles ausgeschaltet ist und wirklich nichts passieren kann.) Dann nahm ich auf dem Sitz hinter dem Fahrer platz und habe ihn einfach beim Spielen und Entdecken beobachtet. Das war ein richtig schöner Moment, weil ich ganz präsent bei ihm war, wie er die Welt entdeckt – in diesem Fall das Interieur meines Autos. Ich spürte nach einer Weile auch eine tiefe Entspannung in mir. Er ist übrigens ganz freiwillig und zügig in seinen Sitz gekrabbelt, als er dann fertig war, alles anzugucken und „Fahrer“ zu spielen.

Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf kann ich dem Trödeln wirklich viel Positives abgewinnen und bin bereit mich öfter auf solche Momente des Trödelns einzulassen. 

Wie geht es dir mit dieser Perspektive? Hast du auch ein Kind, das viel trödelt? Wie gehst du damit um? Teile gern deine Erfahrungen mit und hinterlasse einen Kommentar!

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